Freitag, 20. Oktober 2017

Erlebnisse rund um La Paz

Unterwegs in La Paz

An unserem ersten Tag in La Paz nahmen wir an einer Free Walking Tour teil, eine Stadtführung, die hauptsächlich von Studenten durchgeführt wird und deren Bezahlung auf Trinkgeld basiert. Der Hauptgrund für die Teilnahme war, dass diese Tour scheinbar als einzige die Lizenz hat, das Gefängnis "San Pedro" zu besichtigen - ein Gefängnis, das eine Stadt in der Stadt ist.
Die Gefangenen, die es sich leisten können, haben Wohnungen, es gibt Restaurants und Geschäfte, aber alles innerhalb der Gefängnismauern. Gefangene, die es sich nicht leisten können, müssen auf der Strasse schlafen. Innerhalb des Gefängnisses gibt es keine Polizei. Gefangene, die Probleme mit anderen Gefangenen bekommen, sind auf sich selbst gestellt.
Die Familien der Gefangenen können aber wählen, ob sie mit dem Gefangenen im Gefängnis leben möchten oder nicht. Letztendlich standen wir mit der Stadtführung nur vor dem Gefängnistor und bekamen ein paar Erläuterungen. Führungen im Gefängnis sind inzwischen illegal und verboten, weil Touristen es scheinbar übertrieben haben, da drin Drogen zu handeln.



Am Sonntag findet in El Alto ein riesiger Markt statt. Den wollten wir besichtigen, aber diesmal hat es Silvan erwischt - Fieber, Erbrechen... So hat er fast den ganzen Sonntag schlafend verbracht. Ich habe die Zeit genutzt, um auf dem Gemüsemarkt einzukaufen und mal wieder selbst zu kochen. Das machen wir aufgrund der günstigen Restaurants hier ziemlich selten. Der Schlaf und vielleicht auch meine Suppe scheinen geholfen zu haben. ;-) Zumindest ging es Silvan am nächsten Tag schon wieder viel besser.
Die Verkäuferinnen auf dem Markt nennt man "Cholitas". Sie sind alle in Tracht, mit Hut und zwei langen Zöpfen und alle sind sehr beleibt.


So erkundeten wir ein bisschen La Paz und nutzten einige der Seilbahnen, um einen Überblick von oben zu bekommen. Mittlerweile sind 5 Seilbahnen in Betrieb, die den Talkessel von La Paz mit den höheren Regionen in El Alto verbinden und den Stadtverkehr entlasten sollen. Das ist auch dringendst nötig. Denn der Verkehr in La Paz ist von morgens bis tief in die Nacht das reinste Chaos! Mindestens 3 weitere Seilbahnen sind geplant bzw. schon im Bau. Unklar ist, wie die Seilbahnen finanziert werden, da die Einnahmen nicht einmal 10% der Ausgaben decken. Ausgelastet sind sie aber ganz gut.



Mountainbiketour auf der Dead Road 

Eine der meist umworbenen Aktivitäten in der Nähe von La Paz ist eine Mountainbiketour auf der Dead Road (Todesstrasse). Auch Silvan wollte die Tour machen und da andere Reisende bereits davon geschwärmt hatten, entschloss ich mich, trotz fehlender Mountainbikeerfahrung, mitzugehen. Die Strasse war früher die Hauptstrasse nach La Paz - eine sehr enge Dreckstrasse, auf der es kaum möglich war, zu kreuzen und mit steilen Abgründen von mehreren 100 Metern.



Jedes Jahr sind ca. 200 Menschen auf der Strasse ums Leben gekommen bzw. abgestürzt. Die umgekommenen Leute wurden geborgen, aber die Fahrzeuge liegen heute noch im Abgrund, zugedeckt von der Vegetation. Seit ca. 12 Jahren gibt es eine moderne, breitere Umfahrung. Die "Dead Road" wird inzwischen nur noch vom Tourismus für die Fahrradabfahrten genutzt. Man startet auf 4700 Metern und fährt während 64km durch die verschiedenen Klimazonen runter auf 1200 Meter. Die landschaftlich schönen Ausblicke konnten wir nur bedingt geniessen, da man sich doch recht auf die holprige Strasse konzentrieren musste.


Jedoch hielten wir hin und wieder an, um Fotos zu machen. Unten angekommen, warteten wir statt der angekündigten halben Stunden über eine Stunde bis die Guides die Fahrräder gewaschen haben. Die kleinen Stechfliegen hatten ihre wahre Freude daran und machten sich an die Beine von Silvan. Mit jeweils etwa 50 Stichen (pro Bein!) gings weiter zum abschliessenden Mittagessen.

Huayna Potosi (6088 Meter über Meer)

In der Nähe von La Paz befindet sich der Berg "Huayna Potosi". Der ist 6088 Meter hoch und gilt als einer der leichtesten 6000er weltweit.


Als Silvan das bewusst wurde, hat es ihn zu sehr gereizt, es nochmal zu probieren, ob er es auf den Gipfel solch eines Berges schafft. Es ist immer ein Guide, der mit 2 Leuten hoch geht, so entschied ich mich, ihn zu begleiten. Zur Aklimatisierung gingen wir einen Tag vor der Tour noch auf den Berg "Chacaltaya". Der ist ca. 5420 Meter hoch und war früher Boliviens höchstes Skigebiet. Heute ist der Gletscher vollständig verschwunden (somit auch der Schnee) und die Skihütte mit Toiletten und Restaurant ist dem Verfall preisgegeben. Auch einen Abstecher ins Valle de la Luna (Mondtal) haben wir an dem Tag noch gemacht, doch das war nicht so der Rede wert. Unsere Tour auf den Huayna Potosi startete 8:30 Uhr im Materiallager unserer Reiseagentour. Dort wurden wir ausgestattet mit Steigeisen, Harnisch, wetterfester Kleidung, Eisaxt, Schlafsack, Helm, Schneestulpen für über die Schuhe und Bergsteigerschuhe. Für die ersten 2 Tage mussten wir noch Wasser mitnehmen. So trugen wir zu all der Ausrüstung und der Kleidung, die wir so noch brauchten, noch 5 Liter Wasser mit pro Person. Mit dem Taxi ging es dann von La Paz ca. 1,5 Stunden zum ersten Refugio auf 4800 Meter. Hier bekamen wir ein einfaches Mittagessen. Danach ging es in voller Montur zum nahegelegenen Gletscher, um dort zum einen das Laufen mit den Steigeisen und zum anderen das Eisklettern zu üben.


Wir übernachteten im Schlafsaal des Refugiums, der für die Höhe noch erstaunlich warm war. Am nächsten Morgen bekamen wir ca. 8 Uhr Frühstück und gegen 10 Uhr ging es dann voll bepackt mit ca. 20kg Gepäck zum zweiten Refugium auf 5130 Metern. Für den Aufstieg benötigten wir ca. 3 Stunden. In einigen Berichten hatten wir gelesen, dass das für viele der anstrengendste Tag ist. Im Refugio bekamen wir wieder ein einfaches Mittagessen - Reis und zwei kleine Scheiben gebratenen Frischkäse. Dann war ruhen angesagt bis 17 Uhr. Manche schliefen, manche ruhten - es war auf jeden Fall diszipliniert ruhig. Um 17 Uhr wurden wir von unseren Guides geweckt. Beim Abendessen zeigte sich der Unterschied zwischen den einzelnen Touranbietern. So bekam jeder etwas anderes. Zumindest beim Abendessen konnten wir mit den Kochkünsten unseres Guides zufrieden sein. Gegen 18 Uhr legten wir uns wieder schlafen bis Mitternacht und nach einem kleinen Snack starteten wir unseren Aufstieg. In voller Montur und genügend warm eingepackt ging es los. Unter uns war alles bewölkt und über uns strahlte der Vollmond am wolkenfreien Himmel. Unserem Guide sagten wir noch, dass er langsam gehen soll und für uns nur wichtig ist, auf dem Gipfel anzukommen. Er muss nicht das Gefühl haben, uns bis zum Sonnenaufgang hochbringen zu müssen. Pause machten wir, wenn Silvan und ich das Gefühl hatten, dass wir eine machen wollen. Unser Guide hat von selbst nie eine Pause eingelegt. Es gab unterwegs zwei steilere Stellen, wo wir etwas klettern mussten, aber sonst war es machbar, einigermassen normal zu laufen mit den Steigeisen. Nach ca. 6,5 Stunden Aufstieg und etwas mehr als 900 Höhenmetern erreichten wir den Gipfel. Es war längst hell und leider auch schon etwas zugezogen, aber wir waren mega stolz auf uns. Vor allem die letzte halbe Stunde hatte extrem an unseren Kräften gezerrt und uns physisch an unsere Grenzen gebracht. Um so schöner war es, endlich oben zu stehen. Wir blieben dort ca. 15 Minuten zum Fotos machen und den Ausblick geniessen.


Dann machten wir uns wieder auf den Rückweg. Das waren nochmal 2 harte Stunden. Da der Schnee durch die Sonne langsam weich wurde und die Steigeisen verklebte, wurde es auch noch rutschig. Dafür versetzte die Landschaft uns ins Staunen! Unendlich tief scheinende Gletscherspalten und Höhlen glitzerten mit malerisch blauem Eis, was mich immer wieder zu Fotostopps verleiten liess.



Wir waren froh, als wir das Refugium erreichten und unsere Montur ablegen konnten. Furchtbar müde packten wir unsere Sachen zusammen, assen eine leichte Suppe und dann ging es nochmals eine Stunde bergab zum ersten Refugium - diesmal mit genau dem gleich schweren Gepäck wie am zweiten Tag. Aber auch das packten wir. Unten angekommen wartete schon unser Taxi und brachte uns zurück nach La Paz. Dort gönnten wir uns die wohlverdiente Ruhe.

Markt in El Alto

Am nächsten Tag war schon wieder Sonntag. Diesmal konnten wir den grossen Markt in El Alto besichtigen. Den erreicht man über eine der Seilbahnen. Wir konnten kaum glauben, dass da wirklich so viel Leute anstehen - 25 Minuten haben wir gewartet, gerechnet hatten wir bei der Länge der Schlange mit einer Stunde. Der Markt ist riesig!!! Autoersatzteile jeglicher Art, Schrauben, Kabel, Autobatterien, Autositze, Stossstangen, Kleidung, Elektrowaren, Holz, Türen, Haushaltswaren, Töpfe und Pfannen und vieles vieles mehr...


Wir sind dann mit einer anderen Seilbahn in El Alto noch über den Markt gefahren und haben da das ganze Ausmass sehen können.



Tiwanaku

Einen Tagesausflug machten wir noch nach Tiwanaku, einst religiöses Zentrum der Prä-Inka-Kulturen rund um den Titicacasee. Besiedelt war Tiwanaku von ca. 300 v.Chr. bis 1200 n.Chr.. Eigentlich hatten wir das gar nicht mehr auf dem Plan. Nachdem wir aber in La Paz einen kleinen Park mit einer Replika eines Teils der Ausgrabungsstätte gesehen hatten, überlegten wir es uns anders. Wir erwarteten mehr als tatsächlich zu sehen war. Ausgegraben sind scheinbar nur 1% der ursprünglichen Gesamtfläche und das Meiste ist relativ schlecht restauriert worden. Zudem hatten wir einen komischen Guide, der kaum zu verstehen war. Es war fast bisschen schade um die Zeit.



Besuch in Yacuiba

Nach fast 2 Wochen in La Paz war es dann so weit, dass wir endlich Silvans Bruder Ady trafen. Um uns lange Busreisen von La Paz nach Santa Cruz zu sparen, nahmen wir das Flugzeug. Als wir ankamen, wartete Ady schon am Flughafen. Das erste Mal auf unserer Reise, wo wir abgeholt wurden. Das ist schon Klasse! ;-) Wir freuten uns sehr über das Wiedersehen. Ady hatte noch geschäftlich zu tun in Santa Cruz, so dass wir noch eine Nacht dort verbrachten. Am nächsten Tag ging es dann mit dem Nachtbus von Santa Cruz nach Yacuiba (ganz im Süden von Bolivien, an der argentinischen Grenze), wo er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt. Vor allem Fabricio, der bald 6jährige Sohn war schon sehr aufgeregt, endlich seinen Tio (Onkel) Silvan zu sehen. Wir verbrachten 5 sehr schöne, ruhige und angenehme Tage in Yacuiba und Fabricio nutzte jede Gelegenheit zum Spielen mit uns.


Auch seinen Kindergarten besuchten wir. Jeden Montag gibt es eine Begrüssungs-zeremonie, wo die Mädchen rote Kleider mit weisser Bluse tragen und die Jungen im Anzug(!) kommen.


Die Erzieherinnen werden begrüsst und es wird zusammen auf dem Hauptplatz gesungen, bevor jede Gruppe in ihr Klassenzimmer geht. Normalerweise dürfen die Eltern / Verwandte der "Zeremonie" nicht mehr beiwohnen, aber für uns gab es eine Ausnahme.
5 Monate haben wir uns auf den Besuch gefreut und nun ist er schon vorbei. Die Zeit verging extrem schnell.
Für die Weiterreise entschieden wir uns nochmals für's Flugzeug von Yacuiba nach Tarija. Unser Flug war für 11.30 Uhr geplant, 11 Uhr sollte Boarding sein. Wir waren vielleicht kurz nach 10 Uhr am Check-In. Der Flughafen ist sehr sehr klein in Yacuiba und so wollten wir die Zeit bis zum Boarding noch mit Ady und seiner Familie verbringen. 10:40 Uhr sahen wir all die Passagiere schon ins Flugzeug steigen und die Sicherheitskontrolle schloss. Als wir den Sicherheitsmann fragten, ob der Flug nach Tarija um 11.30 Uhr geht, gab der uns zu verstehen, dass der Flug schon bereit wäre für den Start. Niemand vermisste uns... Er schaute auf unsere Tickets und winkte uns ohne Kontrolle hektisch durch. Als Silvan ins Flugzeug stieg, zog man ihm schon fast die Treppe unter den Füssen weg. Sonst geht es immer so gemächlich zu und selten geht ein Transport mit weniger als 15 Minuten Verspätung. Wir hoben 10:45 Uhr ab und landeten nach nur 15 Minuten Flug schon 11 Uhr in Tarija - grad zur Zeit wo das Boarding hätte beginnen sollen.
Unglaublich, dass die Fahrtzeit mit dem Bus aufgrund der schlechten Strasse 9 Stunden gedauert hätte. In Bolivien sind wir noch ein bisschen unterwegs.

Bis bald und liebe Grüsse
Silvan & Katja

Fotolink   (wenn man mit der Maus über die Fotos fährt, sollte man die Fotobeschriftung sehen)

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Machu Picchu und andere Highlights

Wir geniessen momentan unser gemütliches Hostel in La Paz wo wir uns seit einigen Tagen niedergelassen haben.
Mich plagen gerade ca. 50Fliegenstiche (pro Bein!!) - ich hoffe mich durch das schreiben etwas vom Kratzen ablenken zu können!!

Cusco
Die Stadt resp. die ganze Region war das Zentrum des risigen Inkareichs. Hier wurden einige der grössten, prunkvollsten und schönsten Tempel dieser Kultur erbaut. Leider haben die Spanier bei Ihrer Eroberung auf alle Tempel ihre Kirchen gebaut, oder aber die Tempel als Steinbrüche verwendet. So kann man heute eine imposante koloniale Stadt entdecken wo aber auch noch vieles von der Inka-Zeit drinsteckt.
Eigentlich wollten wir nur wenige Tage in Cusco verbringen, da wir wussten dass wir da auf den Massentourismus treffen werden -  das war der Plan...
Bei den zahlreichen Touranbietern gab es aber soviel interessantes, dass wir halt nicht immer wiederstehen konnten und so verstrichen zwei Wochen bis wir Cusco wieder verliessen (-:
Da sich die einzelnen Orte nicht gerade in Wandernähe befanden entdeckten wir die verschiedenen Orte mit organisierten Touren. Diese gingen zwischen 03:00 und 07:00 Uhr los.... -  jaja so sieht das süsse Backpackerleben aus!
Was aber mehr genervt hat, dass jeweils bis zu 2h vergingen ehe wir Cusco verliessen (Organisation ist nicht so die Stärke der Inka-Nachfahren)

Heilige Tal
Am ersten Tag ging es ins heilige Tal, wo wir einige intressante Orte aus der Inka-Zeit besuchten. Uns haben vor allem die Stufen von Moray und die Salzfelder von Maras besonders beeindruckt.
In der "Arena" von Moray haben die Inkas auf verschiedenen Terassenfeldern agrikultur Versuche durchgeführt. Der innerste und tiefste Kreis liegt etwa 50m unterhalb der Kante und weisst eine 13-15 Grad höhere Temperatur auf. So herrscht auf jeder der Terassen ein Microklima wo die einzelnen Versuche durchgeführt wurden. Somit konnte ermittelt werden wo am besten welche Art Nahrungsmittel gepflantzt werden kann. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür dass die Inkas über 3000 verschiedene Kartoffelsorten hatten die bis in Höhen von 4000m gute Erträge lieferten.

Die Salzfelder von Moray werden von einer unterirdischen Quelle gespiesen, welche ca. 60%iges Salzwasser zutage bringt (Mittelmeer hat etwa 3.5%). So kann man sich auch vorstellen dass ich beim probieren das Wasser gleich wieder ausgespuckt habe!! Die Felder dienten schon den Inkas (und wahrscheinlich auch früheren Völkern) um ihre Esswaren mit Salz länger haltbar machen zu können.
Heute sind es ca. 4000 Salzfelder welche von den einheimischen Bauern in der Trockenzeit bewirtschaftet werden. Die Salzbauern leben heute vor allem vom Tourismus und vom Verkauf der diversen Salzprodukte an den kleinen Ständen.
Die Salzschockolade können wir nicht weiterempfehlen...


Auch die anderen Orte waren imposant, wenn man sieht wie die damaligen Bauern ihre Terassenfelder bis hoch in die Berge angelegt haben. Man fragt sich wieso die Bauern diese mühsame Arbeit auf sich genommen haben? Erstmal die Terasse erstellen um dann jedesmal hoch in die Berge um die Felder zu bearbeiten - irgendwie schwierig zu verstehen. Gemäss den Aussagen vom Guide, hätte damals die Anbaufläche sonst nicht ausgereicht.

Rainbow Mountain
Ich glaube dies ist eines der wenigen Dinge die nichts mit Kultur zu tun haben.
Katja gönnte sich einen Ruhetag in Cusco und ich fuhr mit dem Tourbus 3h (Zeit zum schlafen) irgendwo in die Pampa. Auf dem überfüllten Parkplatz angekommen auf 4450m gings 2h hoch auf den Gipfel auf 5100m. Schritt für Schritt und immer schön viel trinken und wieder mal ein Coca-Bon Bon hinterschmeissen...
Oben angekommen eröffnet sich ein wahnsinns Panorama über diverse farbige Berge die aufgrund verschiedenen Mineralien in diversen Farben leuchten. Einfach nur schön - wenn man denn mal oben ist! Auf der Rückfahrt sah ich dann die Strasse wo wir langgefahren waren. Eine einspurige Dreckstrasse gesäumt von steilen Klippen und Abhängen.. In den Kurven schien es, dass der Fahrer bereits über dem freien Abhang sass... einige Kurven wurden vom Kreischen der Mädels begleitet, aber auch ich war jeweils froh, wenn ich wieder etwas Grund neben dem Bus entdecken konnte....


Machu Picchu
Irgendie durch das Getümmel schlagen und auf ein paar Minuten Ruhe hoffen - dies war in etwa unser Kredo für die meistbesuchteste Kulturstätte in Südamerika.
Agua Calientes gilt als der Ausgangsort für die ca. 400m höher liegende Zitadelle Machu Picchu. Da Aguas Calientes aber nur per Zug direkt erreichbar ist (130 USD hin und zurück), haben wir uns für den 7h Bus ins nahe gelegene Hydro Elektrica entschieden. Auch bei dieser Anfahrt ging es über eine "Strasse mit erhöhtem Adrenalinvorkommen", so muss (darf) ich jeweils am Fenster sitzen und den Abgrund bestaunen.. Als wir dann jedoch einen LKW kreuzen mussten (das wird wie im Linksverkehr gemacht, dass der Fahrer etwas besser sieht wie nahe der Abgrund ist..) schnellte aber auch mein Andrenalin bis an die Busdecke hoch!! Mein Kopf klebte an der Scheibe und ich konnte nur die Busseite sehen und danach etwa 300m NICHTS mehr bis unten zum Fluss.
Doch heil angekommen liefen wir noch 2h an den Bahngleisen entlang bis nach Aguas Calientes. Wir fragen uns die ganze Zeit wo das Dorf wohl sein mag, da es nur steile Felswände hat. Irgendwo hinter einer der vielen Kurven kam dann das Dorf zum vorschein...absolut anders als alles andere in Peru und irgendwie fremd. Fehlten nur noch die Sterne auf den weiss=roten Fahnen und es hätte auch in Zermatt sein können. Ein Fluss quer durchs Dorf, viele teilweise edle Souvenierhändler, feine Restaurants, kein Verkehr....und die Einheimischen sprechen eine schwer verständliche Sprache.. :-)
Mittlerweile muss man beim Machu Picchu wählen ob man am Morgen rein will oder am Nachmittag. Der Weg nach oben (1700 Stufen) öffnet um 05:30 - die ersten stehen schon um 3Uhr an um ja die ersten oben zu sein. Wir hörten von anderen Reisenden, dass sie noch nie so lange Schlangen gesehen hätten wie morgens um 05:30. Da wir das ewige Frühaufstehen langsam satt hatten, haben wir uns für die Nachmittagstour entschieden. Nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns gemütlich zum Weg auf (ohne Schlange und fast ganz alleine). Einige Leute kamen uns um 11Uhr schon wieder entgegen und meinten dass die Sicht bis um 9 Uhr sehr schlecht gewesen sei - ich weiss nicht ob er unser Lachen auf den Stockzähnen erkennen konnte..
Oben angekommen nahmen wir einen Begleiter (so nennen wir unsere schlechten Guides!) der uns die Steinstadt zeigte. Beim Eintritt in die Anlage stockte uns erst mal der Atem. Schon so viele Bilder gesehen, schon so viel gehört und jetzt ist man DA - nach fast 5monatiger Anreise :-) Die Anlage hat uns beide überrascht von ihrer Grösse und einfach von der Ausstrahlung. Nachdem uns unser Begleiter dann verlies erkundeten wir die Anlage selbst noch ein wenig. Zuerst gings hoch zum Sonnentor wo wir bereits auf dem Weg immer wieder wunderschöne Blicke auf die gesamte Anlage erhaschen konnten, bevor diese wieder in den Nebelwolken verschwand. Passend zum Sonnentor zeigte sich auch erstmals am Tag die Sonne bei jedoch bewölktem Himmel. Immer wieder verschwand die Anlage in dichten Nebelschwaden um nach 2 Minuten wieder absolut perfekte Sicht zu haben - absolut magisch und mystisch. Wir setzten uns eine Weile auf einen Aussichtsstein und liessen die mittlerweile fast menschenleere Anlage auf uns wirken... solche Momenten sollte man festhalten können - einfach GEIL!!
Zum Schluss widmeten wir uns noch gewissen Details und liessen uns noch von den Wärtern einiges erklären und zeigen, bevor uns diese dann um 17:30 zum Ausgang begleiteten. Bereits im Dunkeln und völlig durchnässt kamen wir wieder in Aguas Calientes an. Am nächsten Mittag gings dann bei strömendem Regen wieder 2h den Gleisen entlang zurück zu unserem Bus. Zum Glück zeigte sich am Schluss noch die Sonne, sodass wir einigermassen trocken die 7h Busfahrt "geniessen" konnten.




An dieser Stelle mal noch ein Wort zum Wetter. Eigentlich sind wir seit Equador in der Trockenzeit unterwegs - Trockenzeit heisst aber nicht dass es nicht regnen kann...
Wir haben die Trockenzeit für uns so definiert, dass zumindest die Unterhose trocken bleibt, oder danach die Sonne wieder scheint um alles zu trocknen.
Auch wenn an einigen Stellen ein blauer Himmel schon klasse gewesen wäre, müssen aber auch sagen, dass wir immer irgendwie gutes Wetter hatten bis jetzt **Daumendrücken**

Titicacasee
Von Cusco nahmen wir den Bolivia Hop Bus. Dieser stoppt in Puno und in Copacabana (ja auch Bolivien hat eine Copacabana!) und man kann entscheiden wo man wie lange bleiben möchte.
Wir haben dann in Puno auf dem Titicacasee die schwimmenden Inseln der Uros besucht. Ich hab mir das viel schöner vorgestellt. Die Inseln sind so nah am Festland und umringt von soviel Schilf (was sie für die Inseln brauchen) dass man kein Gefühl für eine Schwimmende Insel bekommt.

Ciao Peru
Mit einer kleinen Enttäuschung endete Peru eigentlich völlig unpassend. Ich glaube das Land hat uns beide als ganzes komplett überrascht. Wir haben soviel über das Land und vor allem über seine Kulturen erfahren, durften herrliche Landschaften erkunden, Getränke und Speisen geniessen sowie auch angenehme Busreisen erfahren. Jetzt wissen wir woher der Pisco kommt (jeder Chilene würde was anderes behaupten), wie Kokablätter schmecken und dass es nicht nur die Inkas gab...
Auch wenn ich kein Cuy (Meerschweinchen) gegessen habe (Katja auch nicht!) denken wir einen guten Eindruck von diesem schönen und mit vielen Sehenswürdigkeiten gespicktem Land bekommen zu haben.

Bienvenido Bolivia, Titicacasee
Ich habe mich schon von der Planung weg speziell auf Bolivien gefreut. Vielleicht weil es eines der ärmsten Länder in Südamerika ist und diese Länder mir irgendwie näher am Herzen liegen oder weil ich mich freue meinen Bruder endlich besuchen zu können in seiner neuen Heimat.

Copacabana
Copacabana ist ein kleines Dörfchen am Rande der bolivianischen Seite vom Titicacasee welcher auf knapp 4000m liegt, bei ca. 12° - also nichts mit Bikinischönheiten....
Von da aus wollten wir eigentlich eine Nacht auf der Sonneninsel verbringen, da jedoch der nördliche Teil für die Touristen geschlossen ist blieben wir auf dem Festland und unternahmen nur einen Tagesausflug.
Die Nordseite wäre für uns interessant gewesen, da hier scheinbar der Schöpfergott Viracocha aus den Fluten des Titicacasees stieg und die Inkakultur erschuf - so erzählt es jedenfalls die Mythologie.
In Realität haben jedoch die zwei Dörfer Streit um die Einnahmen vom Tourismus und haben so den nördlichen Teil für die Touristen geschlossen.
Dies verriet uns eine ältere Frau beim Sonnentempel bei einem kleinen Schwatz.
Wir machten daher nur einen Spaziergang  auf der Südseite der Insel, bei herrlichem Wetter mit den Schneebergen im Hintergrund. Mit dem Tuckerboot gings zurück ans Festland wo auch unser Bus nach La Paz schon wartete.


Liebe Grüsse aus dem sonnigen La Paz
Katja mit Schatz

Link: Bilder

Donnerstag, 21. September 2017

Naturerlebnisse in Peru

Unser letzter Blogeintrag ist etwas lang her, daher gibt es diesmal etwas mehr zu lesen. Wir waren viel unterwegs und hatten kaum Gelegenheit zu schreiben.

Cordillera Blanca - Santa Cruz Trek 

Nachdem wir so viele kulturelle Stätten erkundet haben, machten wir uns auf den Weg, Perus Natur zu entdecken. Unser erstes Ziel nach Trujillo war Huaraz - Ausgangspunkt für Wanderungen in die "Cordillera Blanca". Sie gilt als die höchste Gebirgskette des südamerikanischen Kontinents, deren Berge schneebedeckt bzw. vergletschert sind.

Eine der bekanntesten Wanderungen dort ist der "Santa Cruz Trek". Dieser führt 4 Tage durch die wunderschöne Berglandschaft - 55km und ca 1800 Höhenmeter. Bevor es los ging, hatten wir noch einen Tag Zeit. Diesen nutzten wir, um uns nochmals an die Höhe zu gewöhnen und machten eine Wanderung zur nahe gelegenen Lagune Churup auf 4450 Metern. Die Wanderung gab uns einen ersten Eindruck von der Berglandschaft. Am beeindruckendsten aber war das glasklare Wasser, welches einen Blick auf die Felsformationen unter Wasser erlaubte.


Am nächsten Morgen wurden wir 6:30 Uhr von unserem Hostel abgeholt. Zusammen mit 8 anderen Reisenden und unserem Guide fuhren wir im Minibus ca. 5 Stunden von Huaraz in das kleine Dorf Vaqueria. In Vaqueria gab es Lunch. Während wir assen, wurden unsere 3 Esel und 2 Pferde mit allem beladen, was unsere 10köpfige Gruppe plus Guide, Eseltreiber und Koch für die 4 Tage benötigten. Da kann man schon etwas Mitleid mit den Tieren bekommen. Die Esel können bis zu 50kg und die Pferde bis zu 80kg tragen. Neben Proviant trugen sie noch die Kochutensilien, Zelte, Schlafsäcke, Matratzen und Decken. 



Die erste Etappe von Vaqueria bis zum Zeltplatz war relativ leicht und dauerte nur ca. 3 Stunden. So hatten wir noch einmal Gelegenheit, uns an die Höhe (ca. 3500m) zu gewöhnen. Unseren Zeltplatz wählte unser Guide so, dass wir schon einmal einen guten Eindruck von der verschneiten Bergwelt bekamen. Unsere Zelte waren bereits aufgebaut, so dass wir sie nur noch beziehen mussten. Für jedes Zelt stand eine Schüssel mit heissem Wasser bereit, zum Waschen und Aufwärmen. Das war eine willkommene Überraschung. Sobald die Sonne weg ist, wird es nämlich eiskalt. 



Am zweiten und wahrscheinlich anstrengedsten Tag haben mich leider furchtbare Verdauungsprobleme ereilt. Somit wurde die Wanderung für die restlichen 3 Tage etwas zur Tortour. Silvan unterstützte mich, wartete geduldig, wenn ich wieder einen Busch aufsuchen musste und versuchte mich aufzubauen. Normalerweise sind wir immer am Anfang solcher Gruppen, diesmal hingegen hingen wir weit zurück. Unser Guide hatte Tabletten dabei, die zumindest für 6-8 Stunden für eine Beruhigung sorgten, aber an essen war nicht zu denken. Gegen Mittag erreichten wir den höchsten Punkt der Wanderung - den Pass "Punta Union" auf 4750 Metern Höhe. Man läuft dort wie durch einen schmalen Felsspalt und plötzlich steht man auf der anderen Seite in einer ganz anderen Welt. Es eröffnet sich ein Blick ins Tal, rundrum auf noch mehr verschneite Berge, Gletscher und eine blaue Lagune - mega schön und beeindruckend. 



Von hier aus konnten wir auch den Berg sehen, der als Vorlage des Paramount (Logo Paramount Pictures) gilt, jedoch aus einem anderen Blickwinkel. In der Mittagspause konnten wir etwas ausruhen und Energie tanken. Danach machten wir einen ca. 2,5 stündigen Abstecher zu einem noch etwas höher gelegenen Gletscher des Taulliraju. Das beeindruckte noch mehr und war sicher das Highlight unserer Wanderung. 


Unseren nächsten Zeltplatz erreichten wir, als es schon fast dunkel war. 

Der dritte Tag sollte der Tag werden, wo wir die schönsten Berge hätten sehen sollen - Alpamayo, Santa Cruz, Artesonraju (Paramount), Quitaraju, Pumapampa usw.. Schon in der Nacht hatte es gestürmt und am Morgen erwartete uns wolkenverhangenes Regenwetter. Kein Berg zeigte sich. Aber ja, das ist die Natur. So wanderten wir mit Mütze, Handschuhen und Regenmantel zur Lagune Arhuaycocha, wo man noch einen Gletscher in die Lagune münden sehen kann. Im Laufe des Tages wurde das Wetter freundlicher, aber die dicken Jacken konnten wir nie abziehen. Auch die Berge blieben hinter den Wolken versteckt. So verabschiedeten wir uns von der Bergwelt der Cordillera Blance und erreichten unseren letzten Zeltplatz, der wieder in einer Talebene lag. 



Der vierte Tag war wettertechnisch der Schönste - strahlend blauer Himmel und ca. 23 Grad. Die Tallandschaft hatte auch ihren Reiz, was für uns ein schöner Ausklang der Wanderung war. Zum Abschluss gingen wir noch in heissen Quellen baden, was eine Wohltat für unsere Muskeln war. Der heisse Fluss lag direkt neben einem kalten Fluss, was perfekt für Wechselbäder war. Einfach genial und völlig natürlich - für mich immer wieder beeindruckend, was es in der Natur alles gibt! 



Die Oase Huacachina

Noch am gleichen Abend des vierten Wandertages ging es mit dem Nachtbus weiter nach Ica und von da in die Oase Huacachina. Huacachina überraschte uns positiv. Erwartet hatten wir eine Touristenhochburg, da Huacachina bekannt ist für ihre hohen Sanddünen und Sandbuggytouren. Tatsächlich war es sehr idyllisch und ruhig - super zum Verweilen und sich von der Wanderung zu erholen und vor allem, um wieder gesund zu werden. 


Mittlerweile nahm ich alle 8 Stunden Antibiotika, die man hier rezeptfrei in der Apotheke bekommt. Diese wirkten und liessen mich innerhalb von 2 Tagen besser fühlen. Rechtzeitig zur Pisco Tour - eine Weinverkostungstour - war ich wieder fit. Unglaublich wieviele Shots man da bekommt zum kosten und jeder Shot ist verbunden mit einem Trinkspruch. 15 - 20 Shots waren es sicher - roter Kopf vom Alkohol inklusive ;-) Da wir die einzigen Gringos auf der Tour waren, bekamen wir unseren privaten, englischsprechenden Guide. Das war noch lustiger! Rund um Ica, der Ort neben der Oase, ist das Weinanbaugebiet für das Nationalgetränk - Pisco Sour. 



In Huacachina blieben wir statt der geplanten 2 Tage 4 Tage. Ausser der Weinverkostungstour machten wir noch eine Sandbuggytour, fanden ein Massagestudio, genossen Zeit am Pool und Silvan unternahm noch eine private Quadtour in den Dünen. Die Sandbuggytouren sind wie Achterbahnfahren in den Dünen und viele der Passagiere kreischten auch so als wären sie auf einer. Viermal machten wir Halt an verschieden hohen Dünen, wobei die nachfolgende Düne die vorherige an Höhe übertraf. Wir bekamen ein gewachstes Sandboard in die Hand und los ging es im rasanten Tempo auf dem Board liegend die Sanddüne hinab. Das kostete am Anfang etwas Überwindung, denn die Dünen schienen von oben wirklich steil, aber es machte extrem viel Spass. Abgebremst wurde man automatisch durch die nächste Düne, bei der es wieder hinauf ging. 



Arequipa

Von Ica ging es wider mit dem Nachtbus nach Arequipa. Für die Verbindung konnten wir wieder Exclusiva buchen - ein Busunternehmen, das 180 Grad Betten hat und sehr komfortabel ist zum Reisen. Daher kamen wir am Morgen relativ gut erholt in Arequipa an und machten uns auf Erkundungstour. Die Stadt gefiel uns sehr - sie hat Flair mit all den kolonialen Gebäuden. 



Wir besichtigten das Kloster Santa Catalina, was einzigartig ist in seiner Art, weil jede Nonne für sich ein nobles Zimmer mit eigener Küche, Garten und Dachterrasssenzugang bewohnte. 


Es ist wie eine kleine Stadt in der Stadt. Circa 300 Jahre lebten die Nonnen dort so bis der Vatikan dem Luxus ein Ende setzte und die Nonnen anfingen mussten zu arbeiten. War eine Nonne einmal ins Kloster eingetreten, hatte sie keine Möglichkeit mehr dort heraus zu kommen. Meist waren es die zweitgeborenen Töchter sehr wohlhabender Familien, die dort als Nonne ihr Leben verbringen mussten. Jede Nonne hatte eine Bedienstete, die sozusagen das Ohr zur Aussenwelt war.

Wanderung im Colca Canyon

Arequipa ist auch Ausgangspunkt für einen Ausflug in den Colcalcanyon - Südamerikas tiefster Canyon, der sehr schön sein sollte zum Wandern. Hauptursache aber waren die Kondore, die man dort mit grosser Wahrscheinlichkeit sehen sollte. Wir nahmen uns 4 Tage Zeit für den Ausflug. Am ersten Tag fuhren wir 3 Uhr morgens mit einer Tour von Arequipa nach Cabanaconde. Fahrzeit waren ca. 5 Stunden. Etwa eine halbe Stunde vor Cabanaconde stoppten wir am "Kreuz der Kondore". Dort kommen die Kondore immer am Morgen, wenn es warm wird, aus der Tiefe des Canyons nach oben und kreisen umher. Wir staunten über die Grösse und Eleganz der Vögel. 



Den Rest des Tages verbrachten wir in Cabanaconde - für mich der langweiligste Tag auf der ganzen Reise. Dort gab es absolut gar nix zu tun. Wir streunten etwas umher, aber das Dorf ist so klein, dass man nach einer Stunde alles gesehen hat. Am nächsten Morgen nutzten wir nochmal die Gelegenheit, mit dem lokalen Bus zum "Kreuz der Kondore" zu fahren und uns von den Vögeln faszinieren zu lassen. Diesmal hatten wir auch mehr Zeit als mit der Tour am Vortag. Danach starteten wir unsere 3tägige Wanderung durch den Canyon. 

Die Landschaft war nicht ganz so beeindruckend wie ursprünglich angenommen, aber dennoch sehr schön. 



Wir hatten 3 wunderschöne und gemächliche Wandertage mit speziellen Unterkünften. Die erste Unterkunft waren sehr einfache, aber saubere Bambushütten. Das dazugehörige "Restaurant", auch aus Bambus, war etwas am Hang gelegen und hatte eine offene Terrasse mit Blick in den Canyon. Das war Klasse! Noch besser aber war, dass es direkt dort heisse Quellen gab und wir in einem warmen Pool baden und den restlichen Nachmittag verbringen konnten. 

Die Unterkunft der zweiten Nacht war in einer Oase im Canyon gelegen - eine schöne Anlage mit Garten, einfachen Holzhütten und einem Pool - allerdings mit kaltem Wasser. 



Wir verbrachten dort den Nachmittag und fanden andere Reisende mit denen sich nette Gespäche ergaben. Am 3. Wandertag machten wir uns schon 5.30 Uhr auf den Weg, da der lokale Bus zurück nach Arequipa ca. 9 Uhr abfuhr und man für den Aufstieg aus dem Canyon ca. 3 Stunden einplanen musste. Als wir unsere Unterkunft verliessen, war alles so ruhig, dass wir dachten wir sind die ersten. Auf dem Wanderweg sahen wir dann, dass wir wohl die letzten waren, denn vor uns hatten wir eine kleine Völkerwanderung. Der Bus fuhr fast pünktlich ab und ca. 7 Stunden später waren wir wieder in Arequipa. Dort kündigten grosse schwarze Rauchwolken schon von weitem einen grossen Brand an. Tatsächlich brannte es in der Innenstadt - ein Einkaufszentrum und umliegende Häuser waren betroffen. Grund war wohl ein undichter Gasballon. Es sah schlimm aus! Noch bis am Morgen war Qualm zu sehen. 

Da ich nach den 3 Wandertagen nicht direkt wieder einen Nachtbus nehmen wollte, gönnten wir uns den "Luxus" und flogen von Arequipa nach Cusco. Statt 10 Stunden Busfahrt, flogen wir 40 Minuten. Die Flüge sind sehr günstig und so war es vertretbar und viel entspannter. In Cusco nahmen wir an einer Stadtführung teil.



Zudem organisierten wir die Formalitäten für unseren 5tägigen Ausflug in den Regenwald - den Manu Nationalpark. Das stand ursprünglich gar nicht auf unserem Reiseplan, aber ein holländisches Pärchen, das wir unterwegs trafen, hatte so geschwärmt davon, dass wir uns dafür entschieden. Die Agentur wird von Leuten geführt, die im Regenwald aufgewachsen sind und sich bestens dort auskennen. Als wir den Preis gehört haben, waren wir unsicher, ob sich das wirklich lohnt und ob wir mehr sehen als im Pantanal. Jetzt wo wir zurück sind, können wir sagen, dass es sich definitiv gelohnt hat. 

Manu Nationalpark - Regenwald

Die Fahrt war recht lang, führte uns aber auch recht tief in den Jungle. Auf der Hinfahrt kamen wir durch Nebelwald und sahen dort schon verschiedenste bunte Vögel, unter anderem den Cock of the Rock (Felsenhahn) und den Quetzal. Aber auch ein Faultier und wollige Affen. 


Felsenhahn (Bild aus Internet)


Wir übernachteten in einer einfachen, aber schönen Lodge und wurden extrem fein verköstigt. Die Geräusche des Regenwaldes und die extreme Dunkelheit sind gewöhnungsbedürftig, aber aufregend. Am zweiten Tag ging es mit dem Boot weiter noch tiefer in den Jungle. Unterwegs hielten wir an einer heissen Quelle, wo wir Gelegenheit hatten, ein entspanntes Bad zu nehmen.

Die Lodge weiter tiefer im Jungle war ein kleines Paradies, diente uns aber vorerst nicht als Unterkunft.

Silvan suchte vergebens ein GPS Signal um zu schauen, wo genau wir sind

Wir wanderten noch 1,5 Stunden in den Wald, wo die Agentur ein getarntes Haus hat - eine mit Palmblättern überdachte Platform auf 10 Metern. 


Dort übernachteten wir auf einfachen Matten und Moskitonetz. Von jedem Schlafplatz aus hatte man einen guten Blick auf eine schlammige Lichtung. Unser Ziel war es, in der Nacht Tapire zu entdecken. Dazu leuchteten immer 2 Personen eine Stunde lang im 5 Minuten Rhythmus die Lichtung ab und schauten, ob der Tapir da ist. Naja, es lief etwas chaotisch ab, aber wir sahen den Tapir einmal kurz vor 1 Uhr und ein zweites Mal relativ lang viertel nach 3 Uhr morgens. Er sieht aus wie ein kleiner Elefant mit kurzem Rüssel und bewegt sich in Zeitlupe ganz behebig - so grossartig, dass wir das sehen durften! 


Die restlichen Tage unternahmen wir verschiedene Wanderungen und sahen noch viele Vögel, Affen und Insekten sowie eine kleine Boa. Es waren 5 eindrückliche Tage, anders als im Pantanal, aber mindestens genauso schön! 



Unsere Zeit in Peru neigt sich bald dem Ende zu. Was wir in den letzten Tagen hier noch vorhaben, gibt es im nächsten Blog. 

Bis bald, Silvan & Katja  




Dienstag, 29. August 2017

Eintauchen in alte Kulturen

Bei der Abreise von Riobamba nach Cuenca hatten wir wahrscheinlich einer der schönsten und klarsten Tage hier. Aus den Busfenstern konnten wir immer wieder all die schnee und gletscherbedeckten Vulkane bestaunen. Als ob sie uns zuwinken würden und sagen - kommt mal wieder ;-)

Cuenca
Wie auch Quito wird diese Stadt als eine schöne Kolonialstadt angepriesen. Mit der zunehmenden Reisedauer wird man etwas abgestumpft und nach den wirklich schönen kolonialen Städte in Kolumbien haben's die anderen schwer.
So hat uns dann auch Cuenca nicht so beeindruckt. Es gibt zwar einige schön restaurierten Häuser, aber die Stadt als ganzes ist jetzt nicht ueberwältigend.
Wir verbrachten daher auch nur etwas mehr als einen Tag in der Stadt wo wir durch die Strassen zogen. Eindrücklich war die Cathedral Nuevo, obschon die Fronttürme aufgrund falscher Berechnungen nicht fertiggestellt werden konnten (Einsturtzgfahr) . Somit fehlen halt die letzten zwei Ebenen (ca. 30m) und die dahinderliegenden Kuppen sind höher als die Fronttürme...


In der archeologischen Stätte von Puma Pongo haben wir uns schon mal von der Exaktheit der Inka-Bauweise überzeugen können. Die Stadt lag schon damals am wichtigen Inka-Trail zwischen Cusco und Quito.
Fast so exakt wie die Inkas sind die Hutflechter. Die Region hier ist bekannt für ihre Hutflechterei und so kommt aus dem hier naheliegenden Montecristo der eigentliche Panamahut. Da dieser langezeit über Panama exportiert wurde und die Arbieter am Panamakanal diese Hüte getragen haben,  kam es zu der etwas verwirrenden Namensgebung. In einer Werkstatt wo noch die letzten Arbeitsgänge gemacht werden, konnten wir einen Augenschein nehmen. Sogleich kam auch ein Arbeiter und hat uns über seine Arbeit berichtet - er presst die Hüte in die Endform. Die teuersten Qualitäten kostet ca. 1500Dollar und dauert zur Herstellung etwa 90 Arbeitstage. Die Hüte sollen sogar wasserdicht sein da sie so dicht geflechtet werden.

Puerto Lopez
Da in Puerto Lopez gerade Wal Saison ist, zog es uns nochmals an den Strad, obwohl dies nicht gerade auf unserer Reiseroute lag. Vom Busbahnhof ging es mit dem Tuk-Tuk zum Hostel - da kommen gleich wieder die Asien Erinnerungen hoch. Dazu gehörte natürlich auch die Diskussionen zum Fahrpreis - etwas war wir sonst von Südamerika noch nicht kannten, da doch hier das Feilschen viel seltener ist als in Asien. Aber ich glaube das in der Bedienungsanleitung vom Tuk Tuk steht, dass man Touristen über den Tisch ziehen soll!!
Die Region hier, im Speziellen die Isla de la Plata gilt als Galapagos der Armen, da es hier viele Tiere zu sehen gibt welche auch in Galapagos leben. Wir haben uns dann aber diesmal auf das Tauchen und die Wal-Tour beschränkt. Bei der Waltourbuchung haben sie uns 100% Sichtgarantie versprochen. Wir machten dann mit dem Boot eine ca. 3h-ige Tour. Immer wieder tauchten Buckelwale auf - ueberall sah man Tiere ausathmen oder in weiter Ferne aus dem Wasserspringen. Wir folgten immer wieder Gruppen von 2-5 Walen. Leider hatten wir jedoch kein Glück die Buckelwale aus dem Wasser springen zu sehen.


Als "Entschädigung" hatten wir dafür am nächsten Tag einen super Tauchgang mit riesigen Manta Rochen - diese Tiere haben eine Spannweite von bis zu 6m.

Ciao Ecuador
Nach etwas mehr als 5 Wochen heisst es auch von Ecuador abschied nehmen. Auch hier durften wir eine unvergessliche Zeit mit vielen schönen Momenten erleben. Als absolutes Highlight zaehlt sicher die Tierwelt und die Berglandschaften.

Von Puerto Lopez gings 4h nach Guayaquil (Ecuador) wo wir einen 15h Nachtbus nach Chiclayo (Peru) nahmen welche uns auch bequem über die Grenze brachte. Nach kurzer Erkundung in Chiclayo nahmen wir den nächsten 10h Nachtbus nach Chachapoyas. Hier in Peru nahmen wir seit langem wieder mal einen Nachtbus, haben wir diese doch empfehlen bekommen. Und ehrlich gesagt ist es bei den hier wieder längeren Distanzen auch die angenehmere Art zu reisen. Je nach Bus lassen sich die Sitze bis zu 180 Grad zu einem bequemen Bett umfunktionieren.

Chachapoya
Wir haben uns lange überlegt ob wir die zweimal 10h Busfahrt in kauf nehmen sollten um die Kuelap Ruine zu besuchen. Im nachhinein war es jede einzelne Minute, jedes Schlagloch und Haarnadelkurve wert!

Man geht davon aus, dass in Chachapoya die noch höchste Dichte an nicht gefundenen Schätzen verborgen liegt. Für die Archeologen muss dies hier ein El Dorado sein.
Die Chachapoyas (Nebelkrieger) waren eine hier ansässige Kultur (6-15jhd. n.Chr.) in der Zeit der Inkas. Das Volk war für seine kriegerische Aktivitäten bekannt. Obwohl die Inkas Kuelap einnehmen konnten, brachten sie die Chachapoyas nie wirklich unter ihre Herrschaft. Als dann die Spanier kamen, sahen die Chachapoyas in den Spanier ihre Befreier von den Inkas. Die Spanier brachten aber auch die Seuchen mit sich und so starben ein Grossteil der Chachapoyas an den unbekannten Krankheiten.

Am ersten Tag nach unseren langen Busreisen gings auch gleich auf Erkundung. Es gibt hier soviel zu entdecken, da aber all die Stätten so weit auseinander liegen lässt sich dies am besten mit einer Tour erkunden. So gingen wir mit lauter Peruaner auf die Tagestour. Wir fuhren bis ans Ende einer immer schlimmer werdenden Dreckstrasse welche im Dorf Bartolo endete. Man darf gar nicht daran denken wie man hier wieder wegkommt wenn es Erdrutsche gibt.... die schmale Strasse war einfach irgendwie aus dem Hang gegraben worden. Den Weg nahmen wir auf uns, um in Revash die Mausoleen der Chachapoyas zu sehen. Die Kultur hatte die Angewohnheit ihre Toten in absolut unzugänglichen Felswänden zu bestatten.
So sieht man heute hier noch einige kleine Mausoleen auf kleinen Felsvorsprüngen.

Anschliessend ging es die abenteuerliche Strasse wieder zurück.
In Leymebamba haben wir noch ein Musem besucht, dass extra für einen Fund, der am Condorsee gemacht wurde, erstellt wurde. 1997 fanden Hirten in einer Felswand über dem Kondorsee eine Grabstätte. Da die Hirten sich gegenseitig anzeigten bei der Polizei da sie Streit bekamen wegen dem Raubgut, konnte die Polizei und die Archeologen die Fundstelle sichern. Sie fanden insgesamt 220 Gräber im Fels mit Mumifizierten Leichen. Im Museum sind heute die Kultur sowie die Leichen ausgestellt. Man schaut mit gemischten Gefühlen in die Gesichter der mumifizierten Leichen und es läuft einem kalt den Rücken runter.

Am Abend genossen wir nach zwei Busnächten wieder unser Bett und vorallem die Dusche - Yeappie :-)

Auch am nächsten Tag schien die Holperpiste wieder endlos bis wir in Karajia ankamen. Hier stehen Figuren mit einzelnen mumifizierten Leichen auf dem Felsvorsprung - scheinbar handelt es sich hier um ranghohe Anführer und Krieger.
Scheinbar sind bereits einige Felsvorsprünge abgebrochen und so findet man am Fusse des Felsens auch zahlreiche Knochenreste im staubtrockenen Boden.

Die Hauptattraktion haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben - Kuelap. Seit Anfangs Januar 2017 gibt es die erste Seilbahn in Peru welche zu der, vorher umständlich zugänglichen, Stätte führt. Da die Latinos eh immer extrem viele Selfies und Videos drehen, wurde auch die Seilbahn bestens dokumentiert - von jedem einzelnen! Auf der Rückfahrt wurden dann die Videos alle nochmals rumgezeigt - in voller Lautstärke natürlich....

Das Fort hoch oben auf dem Bergrücken auf rund 3000m welches komplett ummauert ist und innerhalb zu einer Plattform aufgefüllt wurde. Dies war der zentrale Ort der Chachapoyas, welcher in 6 Teile aufgeteilt war. Im Inneren des 600x110m grossen Fort standen ca. 300 runde Steinhäuser worin ca. 2000 Personen gelebt haben sollen. Die wenigen eckigen Häuser haben später die Inkas errichten lassen.


Señor de Sipan
Auf dem Weg nach Trujillo machten wir noch einen Stopp um das Museum vom Señor de Sipan zu besuchen. Dieser Fund gilt als grösster gefundener Schatz in Südamerika. 1987 bemerkten Archeologen eine häufung vom Schwarzmarkt handel - dem nachgegangen fanden Sie die Fundstätte wo bereits ein Grab geplündert wurde. Während den Ausgrabungen fand man dann das Herrschergrab mit insgesamt 7 mitbestatten Leuten und einen riesigen Schatz an Grabbeigaben.
Es handelt sich dabei um ein Herrscher der Moche-Kultur (1-8jhd. n.Chr.) die an der Küste vom heutigen Nordperu lebte. Das Museum ist dreistöckig und auf zwei Stöcken ist der Leichnam wie auch sämtliche Grabbeilagen ausgestellt. Es ist faszinierend wie gut erhalten die einzelnen Stücke sind. Die Keramiken scheinen wie neu zu sein, die Stoffe zeigen die Muster immernoch in aller Deutlichkeit und einige der 11 riesigen Korallen Halsketten sind noch vollkommen in takt.
Da im Museum keine Fotos gemacht werden durften, helfen wir uns mit Bilder aus dem Internet aus.

Trujillo
Die Stadt war unser Ausgangspunkt für die Erkundung von den umiegenden Kulturüberbleibsel. Die Wahl unserer Unterkünfte richtet sich normalerweise auf Empfehlungen anderer oder Bewertungen in Booking. Leider haben wir diesmal ein sehr schlechtes Hostel erwischt wo erstaundlicherweise gute Bewertungen hatte. So haben wir uns für ein Zimmer ohne Fenster entschieden, in der Hoffnung den Strassenlärm nicht zu hören. Hinzu kam, dass wir am ersten Abend kein warm Wasser hatten und beim Abreisen kein Strom (im Zimmer ohne Fenster). So hab ich kurzerhand eine Notleuchte im Korridor demontiert, dass wir wenigstens unsere Sachen fanden beim Packen. Ansonsten haben wir bis dahin meist gemütliche und angenehme Unterkünfte gehabt.

Auch diesmal haben wir die Erkundung wieder mit einer Tour gemacht. Wie gehabt alles Peruaner und die zwei Weissnasen. Als erstes ging es zur Huaca de la Luna (Mond Tempel) resp. in dessen Museum. Unsere Guidin erklärte in mitten von lärmigen Schulklassen die einzelnen Fundstücke die zu sehen waren. Zum Glück hatten wir im Señor de Sipan eine ruhige Tour und kannten die Eigenheiten der Mochekultur bereits etwas. Gegenüber der Hauca de la Luna ist natürlich noch die Hauca del Sol, diese ist aber noch nicht erforscht und liegt als halbrunder Steinhaufen in der Gegend - ohne jegliche Absperrung. Die Huaca del Sol ist die grössere der Beiden und enthält ca. 140 Mio. luftgetrocknete Lehmsteine. Zwischen den beiden Tempeln lag das frühere Dorf, wovon nicht mehr viel zu sehen ist.

Am Mittag gings auf die andere Seite der Stadt, zur ehemaligen Stadt Chan Chan. Diese wurden von der Chimu Kultur (Nachfolger der Mochekultur) erstellt und gilt mit ihren damaligen ca. 60'000 Einwohner als eine der grössten Städte der damaligen Zeit. Heute umfasst das Gebiet 2500 Hektar wobei etwa ein viertel von Leuten bewohnt wird und Ackerbau betrieben wird. Der restliche Teil verfällt Jahr für Jahr aufgrund der Witterung und des immer heftigeren El Niño Effekts. Da für die Wohnsiedlungen kein Forschungsgeld zur Verfügung steht, werden die Restaurierungen auf einzelne Tempelanlagen beschränkt.
Zum Schluss der Tour gings noch zum Strand wo wir uns 17.30 wieder zur Rückfahrt treffen sollten - mit dem Hinweis dass der Bus nicht warte. Da wir ja nicht das erste Mal mit Peruaner unterwegs waren, kamen wir 17.35 zurück - als Erste....
Erstaundlicherweise trafen dann aber alle ziemlich rasch ein sodass wie den ganzen Tag wieder auf den Lehrer und seine 6 Studenten gewartet werden musste. Ich habe dann der Guidin gesagt wir sollen los. Als dann der Lehrer zurück kam habe ich ihn angeschnautzt (mit akzentfreiem Spansich...) was er sich eigentlich denkte uns hier warten zu lassen... Immerhin habe ich von einigen anderen Insassen ein bestätigendes Nicken erhalten. - Einer muss es ja mal sagen ;-)

Am nächsten Tag fuhren wir etwa 60 nördlich von Trujillo, da gab es nochmals eine Grabstätte welche gefunden wurde - diesmal aber von einer Herrscherin. Dies galt 2005 als sensationeller Fund, da bis dahin davon ausgegangen wurde, dass die Frauen in der Moche Kultur keine führenden Rollen hatten.
Auch hier waren gewisse Fundstücke bestens erhalten und so erzählen die bemalten Keramiken auch hier wieder ihre Geschichte der damaligen Zeit. Die letzte Woche war für uns relativ intensiv mit all den besuchten Orten, jedoch auch enorm interessant all die Geschichten und Kulturen kennen zu lernen.
Hört man Peru, denken viele an die Inkas - aber es gab noch viele andere Kulturen welche Ihre Spuren hinterlassen haben.

Und so packen wir unsere Rucksäcke erneut, gehen zum Busterminal und ziehen zu den nächsten Abenteuer die auf uns warten.

Liebe Gruess
Katja und Silvan

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Bilder Nordperu


Donnerstag, 17. August 2017

Ecuadors Vulkane

Hallo zusammen,

nach dem Besuch der Galapagosinseln und einem kurzen Abstecher ins Amazonasgebiet von Ecuador, haben wir die letzten zwei Wochen in der Höhe verbracht.

Quilotoa Loop

Von Latacunga aus haben wir eine 3-tägige Wanderung, auch bekannt als Quilotoa Loop, unternommen. Euphorisch sind wir von Latacunga aus mit dem Bus bis Tigua gefahren. Von dort aus starteten wir die erste Tagestour. In einer am Weg gelegenen Poussada (Unterkunft) liessen wir uns den Weg erklären. Dann ging es los.

Die ersten 2-3 km wanderten wir auf einer Dreckstrasse. Dort fand Silvan noch ziemlich am Anfang unserer Wanderung 140 USD im Dreck liegen. Da wir den Eigentümer nicht ausfindig machen konnten, war das ein schöner Zustupf für unsere Reisekasse.
Immer wieder kontrollierte Silvan mittels Maps.me (eine Offlinekarte auf dem Handy) ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Hin und wieder konnten wir uns auch von Einheimischen den Weg bestätigen lassen - bis dann die Aussage der Einheimischen vom Weg auf Maps.me abwich. Irgendwie machte es aber Sinn und wir vertrauten den Aussagen der Einheimischen. Der "neue" Weg führte uns durch einen recht tiefen Canyon.



Von oben meinten wir, einen Weg ausmachen zu können, doch unten im Canyon sah die Welt ganz anders aus. Maps.me hatte den Weg zwar auch drinnen, aber ziemlich ungenau. So folgten wir bergauf und bergab kleinen Wegen geduckt durchs Gestrüp und fanden uns irgendwann auf einer Anhöhe.


Von dort aus ging es ca. 30m steil bergab - keine Chance da irgendwie herunter zu kommen. Auch wenn es nicht wirklich verlockend war, wir mussten einen grossen Teil des Weges wieder zurück. Wenn mir an dem Punkt jemand gezeigt hätte, wo unser Ziel liegt, hätte ich nicht geglaubt, dass wir das je schaffen bis zum Abend... Wegweiser gab es nicht einen einzigen.
Im Canyon folgten wir letzendlich dem Fluss bis wir einen alten Schafhirten trafen - die erste Menschenseele seit ca. Stunden. Der zeigte uns den Weg und so kamen wir wieder recht gut voran. Die Landschaft und die Ausblicke waren fantastisch. Das liess die Anstrengung hin und wieder vergessen.

Unsere Odyssee im Canyon kostete uns vermutlich 2 Stunden mehr Zeit. Aber auch sonst haben wir uns recht verschätzt mit der Distanz und der Schwierigkeit des Weges. Nach ca. 7 Stunden mit einschliesslich nur 20 Minuten Pause und ca. 18km erreichten wir den Kraterrand des Quilotoa Vulkans auf 3900m. Der Anblick war erlösend!



Bis zum Sonnenuntergang hatten wir zwar noch ca. 1,5h Zeit, wir waren aber beide so erschöpft, dass wir die erste Unterkunft nahmen, an der wir vorbei kamen. Mit 80 USD für eine Nacht mit Abendessen und Frühstück war das bei weitem die teuerste Unterkunft auf unserer ganzen Reise. Sonst bewegen wir uns immer zwischen 25-30 USD pro Nacht. Aber ja, es war Samstagabend, der Rest schien ausgebucht zu sein und noch 3km bis Quilotoa weiter laufen, war keine Option.

Am nächsten Tag ging es erholt und ausgeruht weiter nach Chugchilan. Der Weg schien ausgeschildert zu sein. "Leider" trafen wir ein deutsches Pärchen. Die sagten uns, dass es scheinbar einen Erdrutsch gab und der Weg, den wir nehmen wollten, geschlossen sei. So entschieden wir uns für eine "Abkürzung". Maps.me haben wir ja wieder dabei ... Es gab soooo viele Wege und die Einheimischen, die wir fragten, zeigten jeder in eine andere Richtung - so ging es wieder bergab und bergauf und jedes Mal sah die Landschaft wieder anders aus und der vermeintliche Weg war verschwunden. Kaum zu glauben, dass wir uns schon wieder verlaufen hatten. Nach 2-3 Stunden hatten wir den Hauptweg wieder gefunden. Ab nun fanden wir auch wieder Schilder, die uns sicher nach Chugchilan führten - an Landschaften vorbei, so verschieden und so eindrucksvoll!



In Chugchilan fanden wir ein kleines, aber feines Hostel, wo sich eine Menge Reisende trafen. So hatten wir noch den ganzen Abend Gelegenheit uns auszutauschen und jede Menge Ideen für die Weiterreise mitzunehmen. 

Am dritten Tag wanderten wir von Chugchilan nach Isinlivi - der entspannteste Wandertag von allen dreien. Der Weg war ausgeschildert, das Wetter war wie schon an den Tagen zuvor wunderschön und wir hatten genügend Zeit für Pausen und Picknick. Das Highlight am Ende der Wanderung war ein heisser Whirlpool im kleinen Wellnessbereich unseres Hostels in Isinlivi. Das war eine Wohltat für unsere müden Muskeln und wunderbare Entspannung. So gingen 3 zwar anstrengende, aber auch sehr eindrückliche Wandertage zu Ende.

Von einigen anderen Reisenden haben wir erfahren, dass auch die sich verlaufen haben. Weil sich doch recht viele Leute verlaufen, soll der Quilotoa Loop scheinbar Ende des Jahres geschlossen werden und nur noch mit geführten Wanderungen möglich sein.

Cotopaxi

Vom Hostel in Latacunga aus, konnten wir noch eine Tagestour zum Cotopaxi unternehmen. Er ist mit 5897 Metern Ecuadors zweithöchster Berg. Leider kommt man momentan nur bis zum Refugio auf 4864 Meter. Gipfeltouren sind verboten. Der Cotopaxi ist der derzeit am intensivsten beobachtetste Vulkan Ecuadors, da man eine Aktivität in naher Zukunft befürchtet. Leider war es sehr bewölkt, so dass wir immer nur einen kleinen Teil des Vulkans sehen konnten.



Chimborazo und Carihuairazo

Von Latacunga aus führte unsere Reise weiter nach Riobamba - dem Ausgangspunkt für die Tour zum höchsten Vulkan Ecuadors. Der Chimborazo ist 6268 Meter hoch. Auf seinem Gipfel ist man am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt als sonst auf der Erde. Silvan hatte sich schon bei der Planung unserer Reise fest vorgenommen, die Besteigung des Chimborazo zu versuchen. Nach dem Quilotoa Loop und dem Ausflug zum Cotopaxi sollten wir genügend gut akklimatisert sein an die Höhe.  

Wir hatten zuvor Berichte von anderen Bergsteigern gelesen und auch Erfahrungen von anderen Reisenden gehört. Ein Spaziergang würde es mit Sicherheit nicht werden. Mich haben die Berichte etwas abgeschreckt und nach langem Hin- und Herüberlegen habe ich mich gegen die Tour entschieden. Silvan nahm sich einen Bergführer allein, so dass er unabhängig von anderen seinen Aufstieg versuchen konnte. 

In der Reiseagentur, wo die Touren gebucht werden können, trafen wir noch einen Franzosen (Edouard), der für sich eine leichtere Tour suchte. So taten wir uns spontan zusammen und buchten einen Bergführer für eine Tour auf den Carihuairazo. Dieser ist "nur" 5018 Meter hoch und gilt als relativ einfach zu besteigen - auch wenn man noch keine Erfahrung hat mit Steigeisen. 

So gingen wir am nächsten Tag jeweils auf unsere 2tägigen Touren. Wir starteten gegen 10 Uhr in der Agentur. Silvan fuhr mit seinem Guide zum Refugio Carrel auf 4850 Metern. Dort war bis ca. 21:30 Uhr ruhen angesagt. Nach einem kleinen Snack ging es los. Wettertechnisch waren die Bedingungen super. Es war eine sternklare Nacht mit wenig Wind und der Chimborazo war deutlich im Mondlicht unter der Milchstrasse zu sehen. Ein wunderschöner Anblick! Die Tour dauert mit Auf- und Abstieg ungefähr 14 Stunden. Auf ca. 5 km sind ca. 1400 Höhenmeter zu überwinden. 
Nach ca. 5 Stunden auf einer Höhe von ca. 5500 Metern liess die Kraft so arg nach, dass Silvan sich schweren Herzens eingestehen musste, dass es keinen Sinn macht, es weiter zu versuchen. Selbst wenn er es geschafft hätte, hätte die Kraft wohl nicht mehr gereicht für den Abstieg. An seiner Faszination für den Berg hat es aber nichts geändert.


Das Refugio für die Tour auf den Carihuairazo befand sich etwas weiter weg und lag zwischen Carihuairazo und Chimborazo. Da wir erst in der Nacht um 2 Uhr starteten, unternahmen wir mit unserem Guide am Nachmittag eine 3stündige Wanderung durch die Graslandschaft. Die Landschaft ist wunderschön dort - weit und breit keine Häuser und Geräusche der zivilisierten Welt. Es leben eine Menge Vicunas dort. Das sind putzige, aber auch scheue Tiere!



Ziemlich pünktlich 2 Uhr ging es nach einem kleinen Frühstück auch für uns los. Ich war überrascht, wie schwer der Rucksack war - mit Steigeisen, Gurt, Eisaxt, Kamera, Getränken und Snacks... 

Alles war gefroren und das Gras glitzerte im Mondlicht. Vor uns sahen wir den wolkenfreien Chimborazo und hin und wieder flog eine Sternschnuppe vorbei. Es waren traumhafte Bedingungen. 12 km lagen bis zum Gipfel vor uns.  3 Stunden brauchten wir, bis wir das Eisfeld des Carihuairazo erreichten. Nochmal eine Stunde später legten wir Gurt und Steigeisen an. Nun wurde es schon langsam hell. Wir brauchten nochmal eine halbe Stunde bis kurz unter den Gipfel. Der Ausblick war atemberaubend! 
Dann kam der schwierigste Part auf uns zu. Tatsächlich mussten wir noch etwas klettern - für mich eine riesen Herausforderung. So weit oben, eine steile Wand, nur Eis, nix zum Festhalten und der Guide zog von oben an der Schnur und ich wusste nicht, wie und wohin ... Vorwärts ging nicht, rückwärts wollte ich nicht. Hinter mir war Edouard, der wusste auch nicht so recht weiter. So kurz vor dem Ziel und irgendwie ging es nicht weiter. 
Unser Guide meisterte das aber fachmännisch und suchte uns eine andere Möglichkeit. Die war zwar immernoch recht herausfordernd, aber für uns beide machbar. Keuchend gönnten wir uns 2 Minuten Pause. Dann ging es die letzten paar Meter weiter bis zum Gipfel. Kaum zu glauben, aber grad als wir oben waren, umschlossen uns die Wolken und nichts war mehr zu sehen. Kurze Enttäuschung machte sich breit. Doch dann genossen wir unseren Erfolg.


Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns wieder auf den Rückweg. Kaum hatten wir das erste steile Stück hinter uns, taten sich die Wolken nochmal auf und gaben den Blick auf den Chimborazo und sein Umland frei - was für ein Geschenk! 


Tren del Hielo

Wir blieben noch einen Tag in Riobamba und unternahmen einen Ausflug mit dem Tren del Hielo. Als es noch keine Kühlschränke gab, zogen Männer zum Chimborazo und bauten dort das Eis ab. Dies konnten sie für gutes Geld in der Stadt verkaufen. Heute hält ein 73jähriger Mann die Tradition noch aufrecht und geht jede Woche ein bis zweimal Eis holen. 


Das Eis verkauft er zum Teil in Riobamba, wo es für einen speziellen Saft genutzt wird. Vom anderen Teil macht sein Bruder sehr feines Speiseeis für die Touristen, die mit dem Tren del Hielo kommen. Der Ausflug war ein schöner Abschluss von Ecuadors Bergwelt.

Bis bald und liebe Grüsse,
Silvan & Katja

weitere Bilder

Leider sind die Bilder etwas durcheinander, da sie mit unterschiedlichen Kameras aufgenommen sind. Das Panoramabild zeigt links den Carihuairazo und rechts den Chimborazo.