Donnerstag, 21. September 2017

Naturerlebnisse in Peru

Unser letzter Blogeintrag ist etwas lang her, daher gibt es diesmal etwas mehr zu lesen. Wir waren viel unterwegs und hatten kaum Gelegenheit zu schreiben.

Cordillera Blanca - Santa Cruz Trek 

Nachdem wir so viele kulturelle Stätten erkundet haben, machten wir uns auf den Weg, Perus Natur zu entdecken. Unser erstes Ziel nach Trujillo war Huaraz - Ausgangspunkt für Wanderungen in die "Cordillera Blanca". Sie gilt als die höchste Gebirgskette des südamerikanischen Kontinents, deren Berge schneebedeckt bzw. vergletschert sind.

Eine der bekanntesten Wanderungen dort ist der "Santa Cruz Trek". Dieser führt 4 Tage durch die wunderschöne Berglandschaft - 55km und ca 1800 Höhenmeter. Bevor es los ging, hatten wir noch einen Tag Zeit. Diesen nutzten wir, um uns nochmals an die Höhe zu gewöhnen und machten eine Wanderung zur nahe gelegenen Lagune Churup auf 4450 Metern. Die Wanderung gab uns einen ersten Eindruck von der Berglandschaft. Am beeindruckendsten aber war das glasklare Wasser, welches einen Blick auf die Felsformationen unter Wasser erlaubte.


Am nächsten Morgen wurden wir 6:30 Uhr von unserem Hostel abgeholt. Zusammen mit 8 anderen Reisenden und unserem Guide fuhren wir im Minibus ca. 5 Stunden von Huaraz in das kleine Dorf Vaqueria. In Vaqueria gab es Lunch. Während wir assen, wurden unsere 3 Esel und 2 Pferde mit allem beladen, was unsere 10köpfige Gruppe plus Guide, Eseltreiber und Koch für die 4 Tage benötigten. Da kann man schon etwas Mitleid mit den Tieren bekommen. Die Esel können bis zu 50kg und die Pferde bis zu 80kg tragen. Neben Proviant trugen sie noch die Kochutensilien, Zelte, Schlafsäcke, Matratzen und Decken. 



Die erste Etappe von Vaqueria bis zum Zeltplatz war relativ leicht und dauerte nur ca. 3 Stunden. So hatten wir noch einmal Gelegenheit, uns an die Höhe (ca. 3500m) zu gewöhnen. Unseren Zeltplatz wählte unser Guide so, dass wir schon einmal einen guten Eindruck von der verschneiten Bergwelt bekamen. Unsere Zelte waren bereits aufgebaut, so dass wir sie nur noch beziehen mussten. Für jedes Zelt stand eine Schüssel mit heissem Wasser bereit, zum Waschen und Aufwärmen. Das war eine willkommene Überraschung. Sobald die Sonne weg ist, wird es nämlich eiskalt. 



Am zweiten und wahrscheinlich anstrengedsten Tag haben mich leider furchtbare Verdauungsprobleme ereilt. Somit wurde die Wanderung für die restlichen 3 Tage etwas zur Tortour. Silvan unterstützte mich, wartete geduldig, wenn ich wieder einen Busch aufsuchen musste und versuchte mich aufzubauen. Normalerweise sind wir immer am Anfang solcher Gruppen, diesmal hingegen hingen wir weit zurück. Unser Guide hatte Tabletten dabei, die zumindest für 6-8 Stunden für eine Beruhigung sorgten, aber an essen war nicht zu denken. Gegen Mittag erreichten wir den höchsten Punkt der Wanderung - den Pass "Punta Union" auf 4750 Metern Höhe. Man läuft dort wie durch einen schmalen Felsspalt und plötzlich steht man auf der anderen Seite in einer ganz anderen Welt. Es eröffnet sich ein Blick ins Tal, rundrum auf noch mehr verschneite Berge, Gletscher und eine blaue Lagune - mega schön und beeindruckend. 



Von hier aus konnten wir auch den Berg sehen, der als Vorlage des Paramount (Logo Paramount Pictures) gilt, jedoch aus einem anderen Blickwinkel. In der Mittagspause konnten wir etwas ausruhen und Energie tanken. Danach machten wir einen ca. 2,5 stündigen Abstecher zu einem noch etwas höher gelegenen Gletscher des Taulliraju. Das beeindruckte noch mehr und war sicher das Highlight unserer Wanderung. 


Unseren nächsten Zeltplatz erreichten wir, als es schon fast dunkel war. 

Der dritte Tag sollte der Tag werden, wo wir die schönsten Berge hätten sehen sollen - Alpamayo, Santa Cruz, Artesonraju (Paramount), Quitaraju, Pumapampa usw.. Schon in der Nacht hatte es gestürmt und am Morgen erwartete uns wolkenverhangenes Regenwetter. Kein Berg zeigte sich. Aber ja, das ist die Natur. So wanderten wir mit Mütze, Handschuhen und Regenmantel zur Lagune Arhuaycocha, wo man noch einen Gletscher in die Lagune münden sehen kann. Im Laufe des Tages wurde das Wetter freundlicher, aber die dicken Jacken konnten wir nie abziehen. Auch die Berge blieben hinter den Wolken versteckt. So verabschiedeten wir uns von der Bergwelt der Cordillera Blance und erreichten unseren letzten Zeltplatz, der wieder in einer Talebene lag. 



Der vierte Tag war wettertechnisch der Schönste - strahlend blauer Himmel und ca. 23 Grad. Die Tallandschaft hatte auch ihren Reiz, was für uns ein schöner Ausklang der Wanderung war. Zum Abschluss gingen wir noch in heissen Quellen baden, was eine Wohltat für unsere Muskeln war. Der heisse Fluss lag direkt neben einem kalten Fluss, was perfekt für Wechselbäder war. Einfach genial und völlig natürlich - für mich immer wieder beeindruckend, was es in der Natur alles gibt! 



Die Oase Huacachina

Noch am gleichen Abend des vierten Wandertages ging es mit dem Nachtbus weiter nach Ica und von da in die Oase Huacachina. Huacachina überraschte uns positiv. Erwartet hatten wir eine Touristenhochburg, da Huacachina bekannt ist für ihre hohen Sanddünen und Sandbuggytouren. Tatsächlich war es sehr idyllisch und ruhig - super zum Verweilen und sich von der Wanderung zu erholen und vor allem, um wieder gesund zu werden. 


Mittlerweile nahm ich alle 8 Stunden Antibiotika, die man hier rezeptfrei in der Apotheke bekommt. Diese wirkten und liessen mich innerhalb von 2 Tagen besser fühlen. Rechtzeitig zur Pisco Tour - eine Weinverkostungstour - war ich wieder fit. Unglaublich wieviele Shots man da bekommt zum kosten und jeder Shot ist verbunden mit einem Trinkspruch. 15 - 20 Shots waren es sicher - roter Kopf vom Alkohol inklusive ;-) Da wir die einzigen Gringos auf der Tour waren, bekamen wir unseren privaten, englischsprechenden Guide. Das war noch lustiger! Rund um Ica, der Ort neben der Oase, ist das Weinanbaugebiet für das Nationalgetränk - Pisco Sour. 



In Huacachina blieben wir statt der geplanten 2 Tage 4 Tage. Ausser der Weinverkostungstour machten wir noch eine Sandbuggytour, fanden ein Massagestudio, genossen Zeit am Pool und Silvan unternahm noch eine private Quadtour in den Dünen. Die Sandbuggytouren sind wie Achterbahnfahren in den Dünen und viele der Passagiere kreischten auch so als wären sie auf einer. Viermal machten wir Halt an verschieden hohen Dünen, wobei die nachfolgende Düne die vorherige an Höhe übertraf. Wir bekamen ein gewachstes Sandboard in die Hand und los ging es im rasanten Tempo auf dem Board liegend die Sanddüne hinab. Das kostete am Anfang etwas Überwindung, denn die Dünen schienen von oben wirklich steil, aber es machte extrem viel Spass. Abgebremst wurde man automatisch durch die nächste Düne, bei der es wieder hinauf ging. 



Arequipa

Von Ica ging es wider mit dem Nachtbus nach Arequipa. Für die Verbindung konnten wir wieder Exclusiva buchen - ein Busunternehmen, das 180 Grad Betten hat und sehr komfortabel ist zum Reisen. Daher kamen wir am Morgen relativ gut erholt in Arequipa an und machten uns auf Erkundungstour. Die Stadt gefiel uns sehr - sie hat Flair mit all den kolonialen Gebäuden. 



Wir besichtigten das Kloster Santa Catalina, was einzigartig ist in seiner Art, weil jede Nonne für sich ein nobles Zimmer mit eigener Küche, Garten und Dachterrasssenzugang bewohnte. 


Es ist wie eine kleine Stadt in der Stadt. Circa 300 Jahre lebten die Nonnen dort so bis der Vatikan dem Luxus ein Ende setzte und die Nonnen anfingen mussten zu arbeiten. War eine Nonne einmal ins Kloster eingetreten, hatte sie keine Möglichkeit mehr dort heraus zu kommen. Meist waren es die zweitgeborenen Töchter sehr wohlhabender Familien, die dort als Nonne ihr Leben verbringen mussten. Jede Nonne hatte eine Bedienstete, die sozusagen das Ohr zur Aussenwelt war.

Wanderung im Colca Canyon

Arequipa ist auch Ausgangspunkt für einen Ausflug in den Colcalcanyon - Südamerikas tiefster Canyon, der sehr schön sein sollte zum Wandern. Hauptursache aber waren die Kondore, die man dort mit grosser Wahrscheinlichkeit sehen sollte. Wir nahmen uns 4 Tage Zeit für den Ausflug. Am ersten Tag fuhren wir 3 Uhr morgens mit einer Tour von Arequipa nach Cabanaconde. Fahrzeit waren ca. 5 Stunden. Etwa eine halbe Stunde vor Cabanaconde stoppten wir am "Kreuz der Kondore". Dort kommen die Kondore immer am Morgen, wenn es warm wird, aus der Tiefe des Canyons nach oben und kreisen umher. Wir staunten über die Grösse und Eleganz der Vögel. 



Den Rest des Tages verbrachten wir in Cabanaconde - für mich der langweiligste Tag auf der ganzen Reise. Dort gab es absolut gar nix zu tun. Wir streunten etwas umher, aber das Dorf ist so klein, dass man nach einer Stunde alles gesehen hat. Am nächsten Morgen nutzten wir nochmal die Gelegenheit, mit dem lokalen Bus zum "Kreuz der Kondore" zu fahren und uns von den Vögeln faszinieren zu lassen. Diesmal hatten wir auch mehr Zeit als mit der Tour am Vortag. Danach starteten wir unsere 3tägige Wanderung durch den Canyon. 

Die Landschaft war nicht ganz so beeindruckend wie ursprünglich angenommen, aber dennoch sehr schön. 



Wir hatten 3 wunderschöne und gemächliche Wandertage mit speziellen Unterkünften. Die erste Unterkunft waren sehr einfache, aber saubere Bambushütten. Das dazugehörige "Restaurant", auch aus Bambus, war etwas am Hang gelegen und hatte eine offene Terrasse mit Blick in den Canyon. Das war Klasse! Noch besser aber war, dass es direkt dort heisse Quellen gab und wir in einem warmen Pool baden und den restlichen Nachmittag verbringen konnten. 

Die Unterkunft der zweiten Nacht war in einer Oase im Canyon gelegen - eine schöne Anlage mit Garten, einfachen Holzhütten und einem Pool - allerdings mit kaltem Wasser. 



Wir verbrachten dort den Nachmittag und fanden andere Reisende mit denen sich nette Gespäche ergaben. Am 3. Wandertag machten wir uns schon 5.30 Uhr auf den Weg, da der lokale Bus zurück nach Arequipa ca. 9 Uhr abfuhr und man für den Aufstieg aus dem Canyon ca. 3 Stunden einplanen musste. Als wir unsere Unterkunft verliessen, war alles so ruhig, dass wir dachten wir sind die ersten. Auf dem Wanderweg sahen wir dann, dass wir wohl die letzten waren, denn vor uns hatten wir eine kleine Völkerwanderung. Der Bus fuhr fast pünktlich ab und ca. 7 Stunden später waren wir wieder in Arequipa. Dort kündigten grosse schwarze Rauchwolken schon von weitem einen grossen Brand an. Tatsächlich brannte es in der Innenstadt - ein Einkaufszentrum und umliegende Häuser waren betroffen. Grund war wohl ein undichter Gasballon. Es sah schlimm aus! Noch bis am Morgen war Qualm zu sehen. 

Da ich nach den 3 Wandertagen nicht direkt wieder einen Nachtbus nehmen wollte, gönnten wir uns den "Luxus" und flogen von Arequipa nach Cusco. Statt 10 Stunden Busfahrt, flogen wir 40 Minuten. Die Flüge sind sehr günstig und so war es vertretbar und viel entspannter. In Cusco nahmen wir an einer Stadtführung teil.



Zudem organisierten wir die Formalitäten für unseren 5tägigen Ausflug in den Regenwald - den Manu Nationalpark. Das stand ursprünglich gar nicht auf unserem Reiseplan, aber ein holländisches Pärchen, das wir unterwegs trafen, hatte so geschwärmt davon, dass wir uns dafür entschieden. Die Agentur wird von Leuten geführt, die im Regenwald aufgewachsen sind und sich bestens dort auskennen. Als wir den Preis gehört haben, waren wir unsicher, ob sich das wirklich lohnt und ob wir mehr sehen als im Pantanal. Jetzt wo wir zurück sind, können wir sagen, dass es sich definitiv gelohnt hat. 

Manu Nationalpark - Regenwald

Die Fahrt war recht lang, führte uns aber auch recht tief in den Jungle. Auf der Hinfahrt kamen wir durch Nebelwald und sahen dort schon verschiedenste bunte Vögel, unter anderem den Cock of the Rock (Felsenhahn) und den Quetzal. Aber auch ein Faultier und wollige Affen. 


Felsenhahn (Bild aus Internet)


Wir übernachteten in einer einfachen, aber schönen Lodge und wurden extrem fein verköstigt. Die Geräusche des Regenwaldes und die extreme Dunkelheit sind gewöhnungsbedürftig, aber aufregend. Am zweiten Tag ging es mit dem Boot weiter noch tiefer in den Jungle. Unterwegs hielten wir an einer heissen Quelle, wo wir Gelegenheit hatten, ein entspanntes Bad zu nehmen.

Die Lodge weiter tiefer im Jungle war ein kleines Paradies, diente uns aber vorerst nicht als Unterkunft.

Silvan suchte vergebens ein GPS Signal um zu schauen, wo genau wir sind

Wir wanderten noch 1,5 Stunden in den Wald, wo die Agentur ein getarntes Haus hat - eine mit Palmblättern überdachte Platform auf 10 Metern. 


Dort übernachteten wir auf einfachen Matten und Moskitonetz. Von jedem Schlafplatz aus hatte man einen guten Blick auf eine schlammige Lichtung. Unser Ziel war es, in der Nacht Tapire zu entdecken. Dazu leuchteten immer 2 Personen eine Stunde lang im 5 Minuten Rhythmus die Lichtung ab und schauten, ob der Tapir da ist. Naja, es lief etwas chaotisch ab, aber wir sahen den Tapir einmal kurz vor 1 Uhr und ein zweites Mal relativ lang viertel nach 3 Uhr morgens. Er sieht aus wie ein kleiner Elefant mit kurzem Rüssel und bewegt sich in Zeitlupe ganz behebig - so grossartig, dass wir das sehen durften! 


Die restlichen Tage unternahmen wir verschiedene Wanderungen und sahen noch viele Vögel, Affen und Insekten sowie eine kleine Boa. Es waren 5 eindrückliche Tage, anders als im Pantanal, aber mindestens genauso schön! 



Unsere Zeit in Peru neigt sich bald dem Ende zu. Was wir in den letzten Tagen hier noch vorhaben, gibt es im nächsten Blog. 

Bis bald, Silvan & Katja  




Dienstag, 29. August 2017

Eintauchen in alte Kulturen

Bei der Abreise von Riobamba nach Cuenca hatten wir wahrscheinlich einer der schönsten und klarsten Tage hier. Aus den Busfenstern konnten wir immer wieder all die schnee und gletscherbedeckten Vulkane bestaunen. Als ob sie uns zuwinken würden und sagen - kommt mal wieder ;-)

Cuenca
Wie auch Quito wird diese Stadt als eine schöne Kolonialstadt angepriesen. Mit der zunehmenden Reisedauer wird man etwas abgestumpft und nach den wirklich schönen kolonialen Städte in Kolumbien haben's die anderen schwer.
So hat uns dann auch Cuenca nicht so beeindruckt. Es gibt zwar einige schön restaurierten Häuser, aber die Stadt als ganzes ist jetzt nicht ueberwältigend.
Wir verbrachten daher auch nur etwas mehr als einen Tag in der Stadt wo wir durch die Strassen zogen. Eindrücklich war die Cathedral Nuevo, obschon die Fronttürme aufgrund falscher Berechnungen nicht fertiggestellt werden konnten (Einsturtzgfahr) . Somit fehlen halt die letzten zwei Ebenen (ca. 30m) und die dahinderliegenden Kuppen sind höher als die Fronttürme...


In der archeologischen Stätte von Puma Pongo haben wir uns schon mal von der Exaktheit der Inka-Bauweise überzeugen können. Die Stadt lag schon damals am wichtigen Inka-Trail zwischen Cusco und Quito.
Fast so exakt wie die Inkas sind die Hutflechter. Die Region hier ist bekannt für ihre Hutflechterei und so kommt aus dem hier naheliegenden Montecristo der eigentliche Panamahut. Da dieser langezeit über Panama exportiert wurde und die Arbieter am Panamakanal diese Hüte getragen haben,  kam es zu der etwas verwirrenden Namensgebung. In einer Werkstatt wo noch die letzten Arbeitsgänge gemacht werden, konnten wir einen Augenschein nehmen. Sogleich kam auch ein Arbeiter und hat uns über seine Arbeit berichtet - er presst die Hüte in die Endform. Die teuersten Qualitäten kostet ca. 1500Dollar und dauert zur Herstellung etwa 90 Arbeitstage. Die Hüte sollen sogar wasserdicht sein da sie so dicht geflechtet werden.

Puerto Lopez
Da in Puerto Lopez gerade Wal Saison ist, zog es uns nochmals an den Strad, obwohl dies nicht gerade auf unserer Reiseroute lag. Vom Busbahnhof ging es mit dem Tuk-Tuk zum Hostel - da kommen gleich wieder die Asien Erinnerungen hoch. Dazu gehörte natürlich auch die Diskussionen zum Fahrpreis - etwas war wir sonst von Südamerika noch nicht kannten, da doch hier das Feilschen viel seltener ist als in Asien. Aber ich glaube das in der Bedienungsanleitung vom Tuk Tuk steht, dass man Touristen über den Tisch ziehen soll!!
Die Region hier, im Speziellen die Isla de la Plata gilt als Galapagos der Armen, da es hier viele Tiere zu sehen gibt welche auch in Galapagos leben. Wir haben uns dann aber diesmal auf das Tauchen und die Wal-Tour beschränkt. Bei der Waltourbuchung haben sie uns 100% Sichtgarantie versprochen. Wir machten dann mit dem Boot eine ca. 3h-ige Tour. Immer wieder tauchten Buckelwale auf - ueberall sah man Tiere ausathmen oder in weiter Ferne aus dem Wasserspringen. Wir folgten immer wieder Gruppen von 2-5 Walen. Leider hatten wir jedoch kein Glück die Buckelwale aus dem Wasser springen zu sehen.


Als "Entschädigung" hatten wir dafür am nächsten Tag einen super Tauchgang mit riesigen Manta Rochen - diese Tiere haben eine Spannweite von bis zu 6m.

Ciao Ecuador
Nach etwas mehr als 5 Wochen heisst es auch von Ecuador abschied nehmen. Auch hier durften wir eine unvergessliche Zeit mit vielen schönen Momenten erleben. Als absolutes Highlight zaehlt sicher die Tierwelt und die Berglandschaften.

Von Puerto Lopez gings 4h nach Guayaquil (Ecuador) wo wir einen 15h Nachtbus nach Chiclayo (Peru) nahmen welche uns auch bequem über die Grenze brachte. Nach kurzer Erkundung in Chiclayo nahmen wir den nächsten 10h Nachtbus nach Chachapoyas. Hier in Peru nahmen wir seit langem wieder mal einen Nachtbus, haben wir diese doch empfehlen bekommen. Und ehrlich gesagt ist es bei den hier wieder längeren Distanzen auch die angenehmere Art zu reisen. Je nach Bus lassen sich die Sitze bis zu 180 Grad zu einem bequemen Bett umfunktionieren.

Chachapoya
Wir haben uns lange überlegt ob wir die zweimal 10h Busfahrt in kauf nehmen sollten um die Kuelap Ruine zu besuchen. Im nachhinein war es jede einzelne Minute, jedes Schlagloch und Haarnadelkurve wert!

Man geht davon aus, dass in Chachapoya die noch höchste Dichte an nicht gefundenen Schätzen verborgen liegt. Für die Archeologen muss dies hier ein El Dorado sein.
Die Chachapoyas (Nebelkrieger) waren eine hier ansässige Kultur (6-15jhd. n.Chr.) in der Zeit der Inkas. Das Volk war für seine kriegerische Aktivitäten bekannt. Obwohl die Inkas Kuelap einnehmen konnten, brachten sie die Chachapoyas nie wirklich unter ihre Herrschaft. Als dann die Spanier kamen, sahen die Chachapoyas in den Spanier ihre Befreier von den Inkas. Die Spanier brachten aber auch die Seuchen mit sich und so starben ein Grossteil der Chachapoyas an den unbekannten Krankheiten.

Am ersten Tag nach unseren langen Busreisen gings auch gleich auf Erkundung. Es gibt hier soviel zu entdecken, da aber all die Stätten so weit auseinander liegen lässt sich dies am besten mit einer Tour erkunden. So gingen wir mit lauter Peruaner auf die Tagestour. Wir fuhren bis ans Ende einer immer schlimmer werdenden Dreckstrasse welche im Dorf Bartolo endete. Man darf gar nicht daran denken wie man hier wieder wegkommt wenn es Erdrutsche gibt.... die schmale Strasse war einfach irgendwie aus dem Hang gegraben worden. Den Weg nahmen wir auf uns, um in Revash die Mausoleen der Chachapoyas zu sehen. Die Kultur hatte die Angewohnheit ihre Toten in absolut unzugänglichen Felswänden zu bestatten.
So sieht man heute hier noch einige kleine Mausoleen auf kleinen Felsvorsprüngen.

Anschliessend ging es die abenteuerliche Strasse wieder zurück.
In Leymebamba haben wir noch ein Musem besucht, dass extra für einen Fund, der am Condorsee gemacht wurde, erstellt wurde. 1997 fanden Hirten in einer Felswand über dem Kondorsee eine Grabstätte. Da die Hirten sich gegenseitig anzeigten bei der Polizei da sie Streit bekamen wegen dem Raubgut, konnte die Polizei und die Archeologen die Fundstelle sichern. Sie fanden insgesamt 220 Gräber im Fels mit Mumifizierten Leichen. Im Museum sind heute die Kultur sowie die Leichen ausgestellt. Man schaut mit gemischten Gefühlen in die Gesichter der mumifizierten Leichen und es läuft einem kalt den Rücken runter.

Am Abend genossen wir nach zwei Busnächten wieder unser Bett und vorallem die Dusche - Yeappie :-)

Auch am nächsten Tag schien die Holperpiste wieder endlos bis wir in Karajia ankamen. Hier stehen Figuren mit einzelnen mumifizierten Leichen auf dem Felsvorsprung - scheinbar handelt es sich hier um ranghohe Anführer und Krieger.
Scheinbar sind bereits einige Felsvorsprünge abgebrochen und so findet man am Fusse des Felsens auch zahlreiche Knochenreste im staubtrockenen Boden.

Die Hauptattraktion haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben - Kuelap. Seit Anfangs Januar 2017 gibt es die erste Seilbahn in Peru welche zu der, vorher umständlich zugänglichen, Stätte führt. Da die Latinos eh immer extrem viele Selfies und Videos drehen, wurde auch die Seilbahn bestens dokumentiert - von jedem einzelnen! Auf der Rückfahrt wurden dann die Videos alle nochmals rumgezeigt - in voller Lautstärke natürlich....

Das Fort hoch oben auf dem Bergrücken auf rund 3000m welches komplett ummauert ist und innerhalb zu einer Plattform aufgefüllt wurde. Dies war der zentrale Ort der Chachapoyas, welcher in 6 Teile aufgeteilt war. Im Inneren des 600x110m grossen Fort standen ca. 300 runde Steinhäuser worin ca. 2000 Personen gelebt haben sollen. Die wenigen eckigen Häuser haben später die Inkas errichten lassen.


Señor de Sipan
Auf dem Weg nach Trujillo machten wir noch einen Stopp um das Museum vom Señor de Sipan zu besuchen. Dieser Fund gilt als grösster gefundener Schatz in Südamerika. 1987 bemerkten Archeologen eine häufung vom Schwarzmarkt handel - dem nachgegangen fanden Sie die Fundstätte wo bereits ein Grab geplündert wurde. Während den Ausgrabungen fand man dann das Herrschergrab mit insgesamt 7 mitbestatten Leuten und einen riesigen Schatz an Grabbeigaben.
Es handelt sich dabei um ein Herrscher der Moche-Kultur (1-8jhd. n.Chr.) die an der Küste vom heutigen Nordperu lebte. Das Museum ist dreistöckig und auf zwei Stöcken ist der Leichnam wie auch sämtliche Grabbeilagen ausgestellt. Es ist faszinierend wie gut erhalten die einzelnen Stücke sind. Die Keramiken scheinen wie neu zu sein, die Stoffe zeigen die Muster immernoch in aller Deutlichkeit und einige der 11 riesigen Korallen Halsketten sind noch vollkommen in takt.
Da im Museum keine Fotos gemacht werden durften, helfen wir uns mit Bilder aus dem Internet aus.

Trujillo
Die Stadt war unser Ausgangspunkt für die Erkundung von den umiegenden Kulturüberbleibsel. Die Wahl unserer Unterkünfte richtet sich normalerweise auf Empfehlungen anderer oder Bewertungen in Booking. Leider haben wir diesmal ein sehr schlechtes Hostel erwischt wo erstaundlicherweise gute Bewertungen hatte. So haben wir uns für ein Zimmer ohne Fenster entschieden, in der Hoffnung den Strassenlärm nicht zu hören. Hinzu kam, dass wir am ersten Abend kein warm Wasser hatten und beim Abreisen kein Strom (im Zimmer ohne Fenster). So hab ich kurzerhand eine Notleuchte im Korridor demontiert, dass wir wenigstens unsere Sachen fanden beim Packen. Ansonsten haben wir bis dahin meist gemütliche und angenehme Unterkünfte gehabt.

Auch diesmal haben wir die Erkundung wieder mit einer Tour gemacht. Wie gehabt alles Peruaner und die zwei Weissnasen. Als erstes ging es zur Huaca de la Luna (Mond Tempel) resp. in dessen Museum. Unsere Guidin erklärte in mitten von lärmigen Schulklassen die einzelnen Fundstücke die zu sehen waren. Zum Glück hatten wir im Señor de Sipan eine ruhige Tour und kannten die Eigenheiten der Mochekultur bereits etwas. Gegenüber der Hauca de la Luna ist natürlich noch die Hauca del Sol, diese ist aber noch nicht erforscht und liegt als halbrunder Steinhaufen in der Gegend - ohne jegliche Absperrung. Die Huaca del Sol ist die grössere der Beiden und enthält ca. 140 Mio. luftgetrocknete Lehmsteine. Zwischen den beiden Tempeln lag das frühere Dorf, wovon nicht mehr viel zu sehen ist.

Am Mittag gings auf die andere Seite der Stadt, zur ehemaligen Stadt Chan Chan. Diese wurden von der Chimu Kultur (Nachfolger der Mochekultur) erstellt und gilt mit ihren damaligen ca. 60'000 Einwohner als eine der grössten Städte der damaligen Zeit. Heute umfasst das Gebiet 2500 Hektar wobei etwa ein viertel von Leuten bewohnt wird und Ackerbau betrieben wird. Der restliche Teil verfällt Jahr für Jahr aufgrund der Witterung und des immer heftigeren El Niño Effekts. Da für die Wohnsiedlungen kein Forschungsgeld zur Verfügung steht, werden die Restaurierungen auf einzelne Tempelanlagen beschränkt.
Zum Schluss der Tour gings noch zum Strand wo wir uns 17.30 wieder zur Rückfahrt treffen sollten - mit dem Hinweis dass der Bus nicht warte. Da wir ja nicht das erste Mal mit Peruaner unterwegs waren, kamen wir 17.35 zurück - als Erste....
Erstaundlicherweise trafen dann aber alle ziemlich rasch ein sodass wie den ganzen Tag wieder auf den Lehrer und seine 6 Studenten gewartet werden musste. Ich habe dann der Guidin gesagt wir sollen los. Als dann der Lehrer zurück kam habe ich ihn angeschnautzt (mit akzentfreiem Spansich...) was er sich eigentlich denkte uns hier warten zu lassen... Immerhin habe ich von einigen anderen Insassen ein bestätigendes Nicken erhalten. - Einer muss es ja mal sagen ;-)

Am nächsten Tag fuhren wir etwa 60 nördlich von Trujillo, da gab es nochmals eine Grabstätte welche gefunden wurde - diesmal aber von einer Herrscherin. Dies galt 2005 als sensationeller Fund, da bis dahin davon ausgegangen wurde, dass die Frauen in der Moche Kultur keine führenden Rollen hatten.
Auch hier waren gewisse Fundstücke bestens erhalten und so erzählen die bemalten Keramiken auch hier wieder ihre Geschichte der damaligen Zeit. Die letzte Woche war für uns relativ intensiv mit all den besuchten Orten, jedoch auch enorm interessant all die Geschichten und Kulturen kennen zu lernen.
Hört man Peru, denken viele an die Inkas - aber es gab noch viele andere Kulturen welche Ihre Spuren hinterlassen haben.

Und so packen wir unsere Rucksäcke erneut, gehen zum Busterminal und ziehen zu den nächsten Abenteuer die auf uns warten.

Liebe Gruess
Katja und Silvan

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Bilder Nordperu


Donnerstag, 17. August 2017

Ecuadors Vulkane

Hallo zusammen,

nach dem Besuch der Galapagosinseln und einem kurzen Abstecher ins Amazonasgebiet von Ecuador, haben wir die letzten zwei Wochen in der Höhe verbracht.

Quilotoa Loop

Von Latacunga aus haben wir eine 3-tägige Wanderung, auch bekannt als Quilotoa Loop, unternommen. Euphorisch sind wir von Latacunga aus mit dem Bus bis Tigua gefahren. Von dort aus starteten wir die erste Tagestour. In einer am Weg gelegenen Poussada (Unterkunft) liessen wir uns den Weg erklären. Dann ging es los.

Die ersten 2-3 km wanderten wir auf einer Dreckstrasse. Dort fand Silvan noch ziemlich am Anfang unserer Wanderung 140 USD im Dreck liegen. Da wir den Eigentümer nicht ausfindig machen konnten, war das ein schöner Zustupf für unsere Reisekasse.
Immer wieder kontrollierte Silvan mittels Maps.me (eine Offlinekarte auf dem Handy) ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Hin und wieder konnten wir uns auch von Einheimischen den Weg bestätigen lassen - bis dann die Aussage der Einheimischen vom Weg auf Maps.me abwich. Irgendwie machte es aber Sinn und wir vertrauten den Aussagen der Einheimischen. Der "neue" Weg führte uns durch einen recht tiefen Canyon.



Von oben meinten wir, einen Weg ausmachen zu können, doch unten im Canyon sah die Welt ganz anders aus. Maps.me hatte den Weg zwar auch drinnen, aber ziemlich ungenau. So folgten wir bergauf und bergab kleinen Wegen geduckt durchs Gestrüp und fanden uns irgendwann auf einer Anhöhe.


Von dort aus ging es ca. 30m steil bergab - keine Chance da irgendwie herunter zu kommen. Auch wenn es nicht wirklich verlockend war, wir mussten einen grossen Teil des Weges wieder zurück. Wenn mir an dem Punkt jemand gezeigt hätte, wo unser Ziel liegt, hätte ich nicht geglaubt, dass wir das je schaffen bis zum Abend... Wegweiser gab es nicht einen einzigen.
Im Canyon folgten wir letzendlich dem Fluss bis wir einen alten Schafhirten trafen - die erste Menschenseele seit ca. Stunden. Der zeigte uns den Weg und so kamen wir wieder recht gut voran. Die Landschaft und die Ausblicke waren fantastisch. Das liess die Anstrengung hin und wieder vergessen.

Unsere Odyssee im Canyon kostete uns vermutlich 2 Stunden mehr Zeit. Aber auch sonst haben wir uns recht verschätzt mit der Distanz und der Schwierigkeit des Weges. Nach ca. 7 Stunden mit einschliesslich nur 20 Minuten Pause und ca. 18km erreichten wir den Kraterrand des Quilotoa Vulkans auf 3900m. Der Anblick war erlösend!



Bis zum Sonnenuntergang hatten wir zwar noch ca. 1,5h Zeit, wir waren aber beide so erschöpft, dass wir die erste Unterkunft nahmen, an der wir vorbei kamen. Mit 80 USD für eine Nacht mit Abendessen und Frühstück war das bei weitem die teuerste Unterkunft auf unserer ganzen Reise. Sonst bewegen wir uns immer zwischen 25-30 USD pro Nacht. Aber ja, es war Samstagabend, der Rest schien ausgebucht zu sein und noch 3km bis Quilotoa weiter laufen, war keine Option.

Am nächsten Tag ging es erholt und ausgeruht weiter nach Chugchilan. Der Weg schien ausgeschildert zu sein. "Leider" trafen wir ein deutsches Pärchen. Die sagten uns, dass es scheinbar einen Erdrutsch gab und der Weg, den wir nehmen wollten, geschlossen sei. So entschieden wir uns für eine "Abkürzung". Maps.me haben wir ja wieder dabei ... Es gab soooo viele Wege und die Einheimischen, die wir fragten, zeigten jeder in eine andere Richtung - so ging es wieder bergab und bergauf und jedes Mal sah die Landschaft wieder anders aus und der vermeintliche Weg war verschwunden. Kaum zu glauben, dass wir uns schon wieder verlaufen hatten. Nach 2-3 Stunden hatten wir den Hauptweg wieder gefunden. Ab nun fanden wir auch wieder Schilder, die uns sicher nach Chugchilan führten - an Landschaften vorbei, so verschieden und so eindrucksvoll!



In Chugchilan fanden wir ein kleines, aber feines Hostel, wo sich eine Menge Reisende trafen. So hatten wir noch den ganzen Abend Gelegenheit uns auszutauschen und jede Menge Ideen für die Weiterreise mitzunehmen. 

Am dritten Tag wanderten wir von Chugchilan nach Isinlivi - der entspannteste Wandertag von allen dreien. Der Weg war ausgeschildert, das Wetter war wie schon an den Tagen zuvor wunderschön und wir hatten genügend Zeit für Pausen und Picknick. Das Highlight am Ende der Wanderung war ein heisser Whirlpool im kleinen Wellnessbereich unseres Hostels in Isinlivi. Das war eine Wohltat für unsere müden Muskeln und wunderbare Entspannung. So gingen 3 zwar anstrengende, aber auch sehr eindrückliche Wandertage zu Ende.

Von einigen anderen Reisenden haben wir erfahren, dass auch die sich verlaufen haben. Weil sich doch recht viele Leute verlaufen, soll der Quilotoa Loop scheinbar Ende des Jahres geschlossen werden und nur noch mit geführten Wanderungen möglich sein.

Cotopaxi

Vom Hostel in Latacunga aus, konnten wir noch eine Tagestour zum Cotopaxi unternehmen. Er ist mit 5897 Metern Ecuadors zweithöchster Berg. Leider kommt man momentan nur bis zum Refugio auf 4864 Meter. Gipfeltouren sind verboten. Der Cotopaxi ist der derzeit am intensivsten beobachtetste Vulkan Ecuadors, da man eine Aktivität in naher Zukunft befürchtet. Leider war es sehr bewölkt, so dass wir immer nur einen kleinen Teil des Vulkans sehen konnten.



Chimborazo und Carihuairazo

Von Latacunga aus führte unsere Reise weiter nach Riobamba - dem Ausgangspunkt für die Tour zum höchsten Vulkan Ecuadors. Der Chimborazo ist 6268 Meter hoch. Auf seinem Gipfel ist man am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt als sonst auf der Erde. Silvan hatte sich schon bei der Planung unserer Reise fest vorgenommen, die Besteigung des Chimborazo zu versuchen. Nach dem Quilotoa Loop und dem Ausflug zum Cotopaxi sollten wir genügend gut akklimatisert sein an die Höhe.  

Wir hatten zuvor Berichte von anderen Bergsteigern gelesen und auch Erfahrungen von anderen Reisenden gehört. Ein Spaziergang würde es mit Sicherheit nicht werden. Mich haben die Berichte etwas abgeschreckt und nach langem Hin- und Herüberlegen habe ich mich gegen die Tour entschieden. Silvan nahm sich einen Bergführer allein, so dass er unabhängig von anderen seinen Aufstieg versuchen konnte. 

In der Reiseagentur, wo die Touren gebucht werden können, trafen wir noch einen Franzosen (Edouard), der für sich eine leichtere Tour suchte. So taten wir uns spontan zusammen und buchten einen Bergführer für eine Tour auf den Carihuairazo. Dieser ist "nur" 5018 Meter hoch und gilt als relativ einfach zu besteigen - auch wenn man noch keine Erfahrung hat mit Steigeisen. 

So gingen wir am nächsten Tag jeweils auf unsere 2tägigen Touren. Wir starteten gegen 10 Uhr in der Agentur. Silvan fuhr mit seinem Guide zum Refugio Carrel auf 4850 Metern. Dort war bis ca. 21:30 Uhr ruhen angesagt. Nach einem kleinen Snack ging es los. Wettertechnisch waren die Bedingungen super. Es war eine sternklare Nacht mit wenig Wind und der Chimborazo war deutlich im Mondlicht unter der Milchstrasse zu sehen. Ein wunderschöner Anblick! Die Tour dauert mit Auf- und Abstieg ungefähr 14 Stunden. Auf ca. 5 km sind ca. 1400 Höhenmeter zu überwinden. 
Nach ca. 5 Stunden auf einer Höhe von ca. 5500 Metern liess die Kraft so arg nach, dass Silvan sich schweren Herzens eingestehen musste, dass es keinen Sinn macht, es weiter zu versuchen. Selbst wenn er es geschafft hätte, hätte die Kraft wohl nicht mehr gereicht für den Abstieg. An seiner Faszination für den Berg hat es aber nichts geändert.


Das Refugio für die Tour auf den Carihuairazo befand sich etwas weiter weg und lag zwischen Carihuairazo und Chimborazo. Da wir erst in der Nacht um 2 Uhr starteten, unternahmen wir mit unserem Guide am Nachmittag eine 3stündige Wanderung durch die Graslandschaft. Die Landschaft ist wunderschön dort - weit und breit keine Häuser und Geräusche der zivilisierten Welt. Es leben eine Menge Vicunas dort. Das sind putzige, aber auch scheue Tiere!



Ziemlich pünktlich 2 Uhr ging es nach einem kleinen Frühstück auch für uns los. Ich war überrascht, wie schwer der Rucksack war - mit Steigeisen, Gurt, Eisaxt, Kamera, Getränken und Snacks... 

Alles war gefroren und das Gras glitzerte im Mondlicht. Vor uns sahen wir den wolkenfreien Chimborazo und hin und wieder flog eine Sternschnuppe vorbei. Es waren traumhafte Bedingungen. 12 km lagen bis zum Gipfel vor uns.  3 Stunden brauchten wir, bis wir das Eisfeld des Carihuairazo erreichten. Nochmal eine Stunde später legten wir Gurt und Steigeisen an. Nun wurde es schon langsam hell. Wir brauchten nochmal eine halbe Stunde bis kurz unter den Gipfel. Der Ausblick war atemberaubend! 
Dann kam der schwierigste Part auf uns zu. Tatsächlich mussten wir noch etwas klettern - für mich eine riesen Herausforderung. So weit oben, eine steile Wand, nur Eis, nix zum Festhalten und der Guide zog von oben an der Schnur und ich wusste nicht, wie und wohin ... Vorwärts ging nicht, rückwärts wollte ich nicht. Hinter mir war Edouard, der wusste auch nicht so recht weiter. So kurz vor dem Ziel und irgendwie ging es nicht weiter. 
Unser Guide meisterte das aber fachmännisch und suchte uns eine andere Möglichkeit. Die war zwar immernoch recht herausfordernd, aber für uns beide machbar. Keuchend gönnten wir uns 2 Minuten Pause. Dann ging es die letzten paar Meter weiter bis zum Gipfel. Kaum zu glauben, aber grad als wir oben waren, umschlossen uns die Wolken und nichts war mehr zu sehen. Kurze Enttäuschung machte sich breit. Doch dann genossen wir unseren Erfolg.


Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns wieder auf den Rückweg. Kaum hatten wir das erste steile Stück hinter uns, taten sich die Wolken nochmal auf und gaben den Blick auf den Chimborazo und sein Umland frei - was für ein Geschenk! 


Tren del Hielo

Wir blieben noch einen Tag in Riobamba und unternahmen einen Ausflug mit dem Tren del Hielo. Als es noch keine Kühlschränke gab, zogen Männer zum Chimborazo und bauten dort das Eis ab. Dies konnten sie für gutes Geld in der Stadt verkaufen. Heute hält ein 73jähriger Mann die Tradition noch aufrecht und geht jede Woche ein bis zweimal Eis holen. 


Das Eis verkauft er zum Teil in Riobamba, wo es für einen speziellen Saft genutzt wird. Vom anderen Teil macht sein Bruder sehr feines Speiseeis für die Touristen, die mit dem Tren del Hielo kommen. Der Ausflug war ein schöner Abschluss von Ecuadors Bergwelt.

Bis bald und liebe Grüsse,
Silvan & Katja

weitere Bilder

Leider sind die Bilder etwas durcheinander, da sie mit unterschiedlichen Kameras aufgenommen sind. Das Panoramabild zeigt links den Carihuairazo und rechts den Chimborazo.

Montag, 31. Juli 2017

Fantastische Galapagosinseln

Nach den letzten reiseintensiven Tagen in Kolumbien, gönnten wir uns (nach dem Grenzübertritt nach Ecuador) in Otavalo ein paar ruhige Tage. Obwohl die Umgebung mit all den Vulkanen und Lagunen extrem schön sein sollte um zu wandern, zogen wir es vor, die Seele etwas baumeln zu lassen.
Otavalo ist bekannt für seinen Markttag am Samstag wo nebst dem Viehmarkt (man weiss ja nie wenn man ein Lastesel braucht) und dem Gemüsemarkt auch ein Textilmarkt stattfindet. Die ersten beiden sind etwas ausserhalb vom Zentrum, der Textilmarkt nimmt nebst dem Hauptplatz auch diverse Strassen in Beschlag. Der Markt leuchtete nur so von all den grellen, natürlichen Farben. Ein Genuss für das Auge wo man nicht genug kriegen kann

Hier in Ecuador sind die Distanzen der einzelnen Destinationen angenehm kurz, so kamen wir nach einer kurzen Busfahrt bereits in Quito an. Quito wie auch Otavalo liegen auf ca. 3000m, dies ist bereits eine erste Aklimatisierung an die von uns geplanten Wanderungen. Irgendwie hatten wir von Quito eine andere Erwartung und diese Stadt, sie wird wohl nicht zu unseren Highlights gehören. Da Quito bereits südlich vom Äquator liegt, reisten wir mit dem lokalen Bus nochmals etwas nördlich zur Mitad del Mundo (Mitte der Welt). Aufgrund der Empfehlungen von anderen Reisenden, besuchten wir nicht die Hauptstätte, sondern einen kleinen Indio-Park nebenan. Nach einem kurzen Rundgang und einigen Infos zu den Kulturen, zeigten die Guides uns die "Eigenheiten" hier am Äquator. Ein Versuch mit der Schwerkraft, das Balancieren von einem Ei (die Spitze) auf einem Nagelkopf, sowie das Phänomen von dem sich drehenden Wasser beim Abfluss. Exakt auf dem Äquator sieht man keinen Wirbel, im Norden entgegen dem Uhrzeiger, im Süden im Uhrzeigersinn. Die Experimente klappten alle und wir können uns noch heute nicht ganz erklären wieso, da gemäss anderen Quellen der Äquator nicht eine genaue Linie ist, sondern eine Zone von ca. 5km. Auf jeden Fall ein gemütlicher Ort um sich etwas verwirren zu lassen :-)

Uns beschäftigte schon seit einiger Zeit die Planung von unserem Galapagosbesuch, da wir diesen vor Ort organisieren. Bereits für den Flug hatten wir ca. einen halben Tag benötigt, da die günstigen Flüge scheinbar nur mit einheimischen Kreditkarten bezahlt werden können..... Um die weit entfernten Tauchspots zu besuchen gibt es nur die 8 tägigen Tauchboote, wobei diese bei ca. 4-5000 CHF beginnen - somit auch keine Option für uns. Wir buchten dann in Quito eine Last Minute Tour für eine 5tägige Bootstour. Glaubt man dem Reiseführer sieht man so viel mehr von den Inseln.Bei den Last Minute Tours muss man halt nehmen was noch uebrig bleibt... so buchten wir eine First Class Tour, wobei das Bett und das Zimmer grösser schien als alles jeh zuvor - sogar als unser Zimmer zu Hause!!

Das Galapagosarchipel liegt vor Equador auf Höhe des Äquators und umfasst diverse Inseln. Vier davon sind bewohnt und bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten, wobei die Fähren zwischen den Inseln jeweils zwischen 2-3h (auf teils rauher See) benötigen.
Das Klima auf den Galapagosinseln wird von den Strömungen bestimmt. Momentan ist der kalte Humboldstrom aktiv und sorgt für eher kühlere Temperaturen und vor allem kaltes aber dafür futterreiches Wasser. Da wir ja wussten welche Inseln wir mit unserer Boots-Tour ansteuern werden, versuchten wir jene Tiere noch zu sehen, welche wir wahrscheinlich nicht auf unserer Tour sehen werden. Bereits im Flieger vor der Landung wird man mit den Regeln im Nationalpark vertraut gemacht.
Diese beinhaltet u.a. einen minimalen Abstand von 2m zu den Tieren. Dies scheint auch nötig zu sein, da fast alle Tiere keine Scheu vor den Menschen zeigen. Es ist generell faszinierend wie nahe man den Tieren kommt und teilweise das Gefühl hat dass sich diese richtig in Pose bringen vor der Kamera. Wir wohnten die ersten Tage in Puerto Ayora (der grösste Ort auf den Inseln). Von da aus unternahmen wir einen ersten Ausflug auf die Insel Isabella. Bei einem Rundgang an verschiedenen Stränden sahen wir die Meeres-Leguane (wie so viele Tiere hier, einzigartig auf den Galapagos), Flamingos und ein Haufen der roten Lava-Krabben welche in Gruppen schon mal andere Tiere lebend verspeisen, jedoch auch Kanibalen sind.Beim Kajaking gingen wir noch schnorcheln, wobei die einzige Überraschung das ca. 19 Grad kalte Wasser war. Gesehen haben wir ausser einer Schildkröte nicht viel. Zurück auf dem Kajak sahen wir noch zwei Galapagospinguine (die werden nur ca. 40cm gross) sowie die ersten Blaufusstölpel. Da jedoch die Hin und Rückfahrt mit der Fähre alleine ca. 5h dauerte, entschlossen wir uns, kein weiteres Inselhopping zu machen.
Am nächsten Tag erkundeten wir das Innere unserer Insel mit dem Fahrrad (inkl. zwei Tage Arsch-Schmerzen..). Auf einer privaten Ranch kann man die Landschildkröten in freier Natur beobachten. Diese gemächlichen Riesen werden bis zu 250kg schwer (Männchen) und können ein Alter von 120 Jahren erreichen. Gemäss dem Ranchbesitzer leben ca. 4000 Tiere in dieser für sie perfekten Region. Für die nächsten zwei Tage hatten wir Tagestauchgänge vor Ort gebucht. Am ersten Tag gings nach Seymour (eine Insel im nördlichen Teil), wo die Chance bestand, Hammerhaie zu sehen. Eigentlich ist in dieser Jahreszeit Wahlhai-Saison, die werden aber viel weiter draussen gesichtet und sind nur mit der 8-tages Tauchtour erreichbar - so hofften wir auf die zweite Spezialität, die Hammerhaie. Das Wasser in Seymour war teilweise 18 Grad (brrr....). Die vielen Haie (Weiss und Schwarz-Spitz Riffhai), die Rochen sowie die vielen Schildkröten und farbigen Fische entschädigten aber gut für das kalte Wasser. Am zweiten Tauchtag in Gordon Rocks war das Wasser nochmals etwas kälter und wir hatten keine Sonne. Was uns aber in Errinnerung bleiben wird, sind die Hammerhaie welche wir in diesem Tauchgang zu sehen bekamen sowie auch eine Gruppe von 7-9 spotted Eagle-Rays (gepunktete Adlerrochen) welche unsere Tauchgruppe kreuzten.
Bereits mit vielen Eindrücken und einer gut gefüllten Kamera gingen wir an Bord von unserer First Class Tour. Das Boot aber auch der Service waren echt der Hammer, geschweige denn unser Zimmer!!! WOW! Diesmal haben die Bilder nicht zuviel versprochen (was sonst oft der Fall ist...) Dies war zudem einer der ersten Tage mit nahezu blauem Himmel. Nach einem Besuch des scheinbar schönsten Strandes in Galapagos und dem Sonnenuntergang am Kicker-Rock, fuhr das Boot über Nacht gemütlich zum nächsten Spot. Auf Santa Fe sahen wir die ersten Land-Iguana sowie ein haufen Seelöwen (wobei diese eh überall rumliegen), beim Schnorcheln begleiteten uns dann die Seelöwen auch nochmals. Als wir uns aufmachten zum nächsten Spot erblickte Katja einen Buckelwal mit seinem Kalb. Für uns beide war dies der erste Wal den wir sahen - ensprechend fasziniert waren wir von den Tieren.Auch mit dem Boot gingen wir nochmals nach Seymour, diesmal jedoch an Land. Es ist speziell zu sehen, dass die Vögel (Hauptsächlich Blaufusstölpel und Fregattvögel) hier in allen Lebenszyklen leben. Die Einen balzen, die anderen paaren sich oder brüten die Eier aus, wiederum Andere sind schon fast flügge. So sieht man in einem Rundgang die verschiedenen Lebenssituationen fast wie in einem Museum - hier aber live in der Natur! Am speziellsten sind die Fregattmännchen, welche ihre rote Brust aufblasen für das Balzverhalten. So ging es von Insel zu Insel. Sehen die Inseln vom Boot teilweise ähnlich aus, so sind diese dann an Land wieder völlig anders. Auf jeder Insel überraschte uns die Natur mit einem neuen Schauspiel welches wir vorhin noch nicht kannten.
Nach 5 Tagen an Board von einem absoluten gemuetlichen wenn nicht sogar luxuriösen Boot gingen wir wieder an Land. Völlig geflascht von soviel Natur mussten wir zuerst mal unsere Eindruecke sortieren um verarbeiten zu können.

Auch wenn dieser Trip wahrscheinlich etwas vom teuersten sein wird auf unserer Reise war er jeder einzelne Cent wert!

Liebe Gruess usem Naturparadies Galapagos
Katja und Silvan

ps: da wir von den Galapagos nur schweren Herzens die Bilder aussortieren konnten, gibt es diesmal einige Bilder mehr.

Bilder Otavalo

Bilder Galapagos


Freitag, 14. Juli 2017

Auf den Fährten alter Kulturen

Hallo zusammen,

wir sind gestern (Donnerstag) in Ecuador (Otavalo) angekommen und goennen uns heute einen Entspannungstag. Die letzten Tage in Kolumbien waren nochmal sehr eindruecklich, aber durch die vielen langen Busfahrten reisetechnisch auch recht anstrengend.

Von Salento aus sind wir ueber Armenia direkt nach Popayan gefahren. Das waren zwischen 8 und 9 Stunden Busfahrt. Die Busse sind zwar recht bequem, aber die Strasse, dafuer dass es die Panamerikana ist, zum Teil recht holprig. Popayan ist ein nettes und huebsches kleines Staedtchen, in dem man aber nicht so viel machen kann. Wir haben dort unsere grossen Rucksaecke im Hostel deponiert und sind dann mit den kleinen Rucksaecken weiter gereist nach San Augustin.
San Augustin ist zwar nur 130 km entfernt von Popayan, die Reisezeit betraegt aber aufgrund der schlechten Strassen dennoch ca. 6 Stunden. 2 Tage nahmen wir uns Zeit, um all die archaeologischen Ausgrabungsstaetten in San Augustin zu besichtigen.
Am ersten Vormittag ging es zu Pferd von Ort zu Ort. Fuer uns eine ungewohnte Art sich fortzubewegen, aber zwischendurch eine schoene Abwechslung. Die Pferde kennen den Weg und so muss man eigentlich nur drauf sitzen. Bei den schlammigen Wegen war es ohnehin die beste Art sich fortzubewegen. Leider hat es den ganzen Tag immer wieder geregnet, so dass der Schlamm aufspritzte und uns schon am ersten Tag einsaute. ;-)

Rund um San Augustin lebte zwischen ca. 3300 vor Christus bis ca. 14. Jahrhundert nach Christus ein Volk, welches aus grossen Vulkansteinen verschiedenste Figuren anfertigte. Diese sind heute noch rund um San Augsutin zu sehen. Die Statuen standen meist vor dem Eingang von groesseren und kleineren Grabstaetten, die ebenfalls zum Teil noch erhalten und zu besichtigen sind. Fuer mich beeindruckend ist immer wieder, was Menschen vor so langer Zeit bereits schon zustande brachten. Vor allem die gefundenen Ton- und Goldarbeiten sind so kunstfertig. Aber schriftliche Ueberlieferungen gibt es keine. Somit bleibt es im Dunkeln, was es fuer ein Volk war und warum es verschwand. Man geht davon aus, dass es das Volk schon nicht mehr gab, als die Spanier auf den Kontinent kamen.
Am Nachmittag nach unserem Ausritt schlossen wir uns mit 2 anderen Reisenden (eine Franzoesin und ein Belgier) zu einer kleinen Gruppe zusammen und buchten eine 3stuendige Fuehrung durch den archaeologischen Park. Obwohl unsere Fuehererin sehr informativ war, schienen uns einige ihrer Theorien sehr weit hergeholt. So zeigte sie uns eine Steinlandschaft mit kuenstlich angefertigten Steinbecken und herausgearbeiteten Figuren, welche unsere Welt bzw. Pangea darstellen sollte. Auch Atlantis zeigte sie uns und den Kontinent Lemuria. Der Austausch zwischen den Kulturen fand ihrer Meinung nach ueber die Landbruecken Lemuria und Atlantis statt, deshalb gibt es Figuren in San Augustin, die stark an Aegypter erinnern ... Ich habe die Aehnlichkeit nicht sehen koennen. Auch den Einfluss von Ausserirdischen zog sie in Betracht. So wurde die Fuehrung gegen Ende immer lustiger, da vor allem Silvan und Floris (unser belgischer Reisebegleiter) anfingen, die Figuren selbst zu interpretieren und eigene Theorien aufzustellen. Unsere Fuehrerin fand das gar nicht so lustig. Sie meinte dann zu Floris, dass Silvan wohl gar nichts glaubt.
Am zweiten Tag waren wir den ganzen Tag mit dem Jeep unterwegs zu den weiter ausserhalb liegenden archaeologischen Staetten. Mit dabei war auch wieder Floris, unsere belgische Reisebekanntschaft, aus der sich langsam eine kleine Freundschaft entwickelte. Wir verbrachten einen lustigen Tag, sahen aber nicht mehr so viel Neues. Aufregender war die Fahrt mit dem Jeep durch die schlammigen Strassen, in denen wir immer wieder drohten, stecken zu bleiben. Aber unser Fahrer hatte das Auto gut im Griff.
Mit Floris zusammen reisten wir von San Augustin weiter nach Tierradentro, wo ein kolumbianisches Urvolk lebte. Man nimmt an dass es dort zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert nach Christus ansaessig war. Auf dem Weg gesellten sich noch ein Englaender und eine Polin zu uns, so dass wir als 5koepfige Gruppe reisten.

Die Ausgrabungsstaetten in Tierradentro zaehlen zu den wichtigsten und beeindruckendsten in Kolumbien. Das Urvolk hat zahlreiche grosse Hoehlen gegraben, die als zweites Grab dienten. Die Hoehlen sind ausgeschmueckt mit Wandmalereien und Steinmetzarbeiten. Jede Hoehle erinnert an ein Haus mit Dachbalken, Tueren und Verzierungen. In einem Grab gibt es verschiedene Nischen. Man nimmt an, dass eine Nische fuer eine Familie eines ganzen Familienstammes war. Starb jemand, hat man ihn in ein erstes Grab gelegt mit saemtlichen Grabbeigaben. Nach ca. 5 Jahren entnahm man die Knochen aus dem ersten Grab, verbrannte sie und gab die Asche in eine Urne. Um so groesser die Urne war, desto aelter war der Mensch. Die Urne wurde dann in das zweite Grab (Hoehle) zu den anderen Urnen gestellt. Die Hoehlengraeber sind sehr kunstvoll angelegt und ueber steile Treppen erreichbar, die immernoch original sind - einfach ein bisschen befestigter fuer die Touristen. Wir konnten die Gegend selbst zu Fuss erkunden. An jeder Staette war ein Aufseher, der die sonst verschlossenen Grabanlagen fuer uns oeffnete und noch etwas darueber berichtete.

Am naechsten Tag wollten wir zurueck nach Popayan reisen, doch unser Hostelbesitzer sagte uns, dass die Strasse nach 4km in Richtung Popayan von Indigenen blockiert wurde und keine Fahrzeuge passieren koennen. Er meinte aber, dass man die Strassenblockade evtl. zu Fuss ueberqueren kann. Der erste Bus sollte 6.30 Uhr abfahren, kam aber nicht. Viertel vor sieben konnten wir uns hinten an den lokalen Schulbus "haengen" und die 4km bis zur Strassenblockade mitfahren. Auch der Schulbus durfte nicht passieren. Silvan fragte die Einheimischen, ob man durch die Blockade durchlaufen kann und als diese uns das mit "Ja" bestaetigten, gingen wir langsam auf die Indigenen zu. Diese hatten Holzblockaden und brennende Faesser aufgestellt. Sie hatten einst eingewilligt, dass eine Strasse durch ihr Reservat gebaut werden darf mit der Bedingung, dass soziale Projekte fuer sie realisiert werden. Die Strasse ist weit fortgeschritten, aber die sozialen Projekte wurden scheinbar nocht nicht aufgegleist. Deshalb die Strassenblockade. Sie liessen uns zu Fuss durch und auf der anderen Seite konnten wir dann einen Transport zurueck nach Popayan nehmen. Wir waren froh, denn die Alternative waere ein ca. 12 stuendiger Umweg gewesen.
Als wir sahen, dass wir auf dem Weg nach Popayan nahe an Silvia vorbei fahren, entschieden wir uns kurzerhand, dort noch vorbei zu schauen. Es war Dienstag und im Reisefuehrer hatten wir gelesen, dass dienstags immer ein lokaler Markt stattfindet. Also nutzten wir die Gunst der Stunde. Der Markt war aehnlich wie die, die wir schon gesehen haben. Imposant sind immer die Indigenen in ihren Trachten, die dort einkaufen und verkaufen. Auch einen leckeren Zwischensnack fanden wir auf dem Markt - vegetarische Empanadas fuer umgerechnet 7 Rappen das Stueck und mit Kaese ueberbackene Kartoffeln. Wir genossen noch etwas die Atmosphaere auf dem zentralen Platz in Silvia, wo sich viele Indigene ausruhten und zum Teil ihren Handarbeiten nachgingen.
In Popayan blieben wir noch eine Nacht. Damit beendeten wir unseren etwas mehr als 6 Wochen dauernden Aufenthalt in Kolumbien und reisten ueber Ipiales nach Otavalo (in Ecuador). Am Samstag findet hier der woechentliche Markt statt, der die ganze Stadt einnimmt. Den Markt soll es schon zu Inkazeiten gegeben haben. Er gilt im Reisefuehrer als eines der Highlights in Suedamerika. Es werden Tiere, Gemuese, Obst, Schmuck, Kleidung usw. gehandelt. Schade haben wir kein Platz fuer Souvenirs ...
Der aktuelle Plan ist, noch 2 Tage in Quito zu bleiben und am Mittwoch in unser Galapagosabenteuer zu starten. Wir sind sehr gespannt.

Wir haben gelesen, dass es in Europa einen Rekordsommer geben soll. Wir wuenschen allen wunderschoene, sonnige Sommertage und senden liebe Gruesse aus der Ferne.

Bis bald, Silvan & Katja         Bilder

Dienstag, 4. Juli 2017

Von der Karibik in die Kaffeeregion

Hola muchachos

Mittlerweile sind wir ins Hochland von Kolumbien gefluechtet wo die Temperaturen tagsueber doch noch fast 30 Grad erreichen (auf 2000m Hoehe) in der Nacht jedoch auf angenehme Werte sinken, wobei man gut schlafen kann. Zudem gibt es hier fast keine Muecken, was schon fast an Luxus grenzt!
In Taganga an der Karibikkueste liessen wir es uns sehr gut gehen, so fanden wir sehr leckere Restaurants wobei das Patcha Mama absolut leckere Rindsfilet hatte, wie man es auch in der Schweiz selten findet! Hier jedoch zum Preis von 10CHF. inkl dem Bier.
Angetan von der Karibik sind wir dann noch zu einem weiteren Strand gezogen. Da es hier jedoch keine Unterkuenfte mehr gab, verbrachten wir eine Nacht in der Haengematte. Was fuer die Einheimischen normal ist, endete fuer uns in Rueckenschmerzen und einer unangenehmen Nacht. So verliessen wir den Strand nach dieser Nacht Richtung Cartagena.
In Cartagena liessen wir uns in einer schicken Unterkunft nieder - mit Whirlpool auf dem Dach (bei 30 Grad in der Nacht!).
Leider mussten wir jedoch festellen (vor dem schlafen), dass wir (also Ich...) nicht im reservierten Hostel eingecheckt haben....
So mussten wir das Bijou wieder verlassen sonst haetten wir doppelt bezahlt.
Hier an der Karibikkueste stelle ich immer wieder fest dass mein Koerper mehr schwitzen kann als ich Wasser trinke... auch bei einem Wasserverbrauch von vier Liter ist das sicher bis zum Mittag alles schon wieder verschwitzt!!
Cartagena ist eine der aeltesten Kolonialstaedte in Suedamerika. Diese Stadt war der Hauptort wo die Spanier Ihr Gold verschifften - so war die Stadt auch fuer Piraten und Pluenderer ein gern besuchter Ort.
Beim letzten erfolgreichen Ueberfall der Franzosen Ende des 17Jhd. soll die jemals groesste Beute ueberhaupt gemacht worden sein. Die Verteidiger waren sich so sicher mit Ihrer Festung, dass diese nachlaessig wurden und aufgrund dessen den Kampf verloren haben.
Nebst dem schoenen Castillo San Felipe besitzt Cartagena eine wunderschoene Altstadt welche teilweise wie im Bilderbuch daher kommt.
Nachdem wir versehentlich den Flug nach Medellin zwei Tage zu spaet gebucht hatten, nutzten wie die verbleibende Zeit um noch etwas am Playa Blanca auszuspannen (da Cartagena selbst keine Straende hat). Mit dem lokalen Bus und einem "Frack-Taxi" sind wir dann fuer ein Trinkgeld zum Strand gekommen, wo wir uns in einem kleinen Zimmer gleich am Strand  niedergelassen haben.
Am Abend erlebten wir ein Gewitter wobei ich noch nie einen so nahen Blitzeinschlag erlebt habe. Selbst nach dem Regen waren ueber dem Meer noch Stundenlang die Blitze zu sehen.

Die naechste Station war Medellin - jene Stadt welche vor noch nicht allzulanger Zeit eine der schlimmsten und gefaehrlichsten Staedte der Welt war.
Wie in jedem Ort fragt man bei der Ankuft nach der Sicherheitslage und wo man sich nicht bewegen soll.
Die Antwort war ganz einfach....tagsueber kein Problem und nachts am besten da wo Leute sind. Um es vorweg zu nehmen, Medellin war eine absolut geniale Stadt!
Man hoert oft Medellin habe keine wirkichen Sehenswuerdigkeiten - vergleicht man es z.B. mit Rio mag dies absolut stimmen. Das geniale an Medellin ist die Metro mit all den Seilbahnen welche man fur 70Rappen uneingeschrankt nutzen kann bis man aussteigt. Man kann verschiedene Orte durchstreifen und fuehlt sich immer irgendwie sicher. "bienvenido a Colombia" hoert man oft von Leuten ohne das sie irgendetwas verkaufen wollen, sondern weil es einfach ernst gemeint ist! Man wird angesprochen einfach nur um zu reden und jedes mal wird man herzlich willkommen geheissen und die Leute sind voller Stolz auf IHR Land. Stellt man sich vor, dass hier noch vor 20 Jahren in den Strassen gemordet wurde und die Drogenmaffia die Stadt fest in Ihren Haenden hatte, so gleicht das heute fast einem Wunder dass diese 3Mio Stadt so freundlich daher kommt. Die free Walking City Tour (eine Stadttour welche von jungen Einheimischen gefuehrt wird) war fur uns das Highlight. Unser Guide - ein stolzer Paisa (so werden die Einheimischen hier genannt) zeigte uns "seine" Stadt. Er selbst floh aus Medellin als 17jaehriger nachdem er viele seiner Kollegen sterben sah und selbst angeschossen wurde.
Er brachte uns seine Stadt in einer Art und Weise naeher, dass wir einige male Huenerhaut hatten beim zuhoeren. Vorallem die Geschichte der Metro - die Eroeffnung war 1995 in einer Zeit kurz nach Escobars Tod jedoch immer noch von Gewaltakten gepraegt. So symbolisiert die Metro eine Art Neuanfang fuer die Paisas.
Es ist speziell wenn man sieht in welchem Zustand die Stationen und Wagen sind, so findet man kein Graffity oder gekritzel auch Abfall sieht man niergends liegen. Fuer die Paisas ist die Metro der Neuanfang aus einem langen Buergerkrieg - und so waere eine verschandelung der Metro ein Angriff gegen die Freiheit der Paisas.
Einer der bekanntesten Drogenbarone war Pablo Escobar. Auch wenn auf seinem Grab noch Blumen liegen, sollte man bei Diskussionen nie seinen Namen verwenden. Vorbeilaufende Paisas koennten meinen das sein Name "verherrlicht" wird, was in einem Disput enden wuerde. Fuer die meisten Paisas ist Escobar ein verhasster Moerder der viel Leid ueber das Land und die Stadt gebracht hat.
Es ist unvorstellbar, um wieviel Geld es da ging. Da das Geld nicht gewaschen werden konnte (in der Menge) wurde viel Geld vergraben oder in Zwischenmauern versteckt.
Bei einem Hausabbruch wo ein hoher Drogenboss wohnte, wurden 43 Mio USD gefunden. Das alte Haus von Escobar sollte nach dessen Tod von der Polizei genutzt werden. Man sagt, dass viele von den ersten Polizisten sich in den Ruhestand begeben haetten - wahrscheinlich fanden diese im Haus noch gewisse "Reserven".

Von Medellin gings weiter Richtung Sueden wo wir in der Kaffeeregion in Salento unser Lager aufschlugen.  Kolumbien ist der drittgroesste Kaffeeproduzent. Bei einem Rundgang in einer Kaffeefinca wird einem alles erklaert, vom Setzling bis zum Kaffeemahlen. Diese Region liegt zwischen 1600 und 2000m, in diesem ganzjaehrig-stabilen Klima laesst sich der Kaffee zweimal pro Jahr ernten.
Angetan von der "schweizerischen" Berglandschaft unternahmen wir heute noch eine Wanderung ins Valle Cocora. Nebst der schoenen Landschaft sind hier die Wachspalmen zu bestaunen, welche bis zu 60m ueber die gruenen Felder ragen - und dies ca. 2500m ueber Meer.

Unsere Zeit in Kolumbien neigt sich bereits langsam dem Ende zu, bevor es weitergeht nach Ecuador.

En liebe Gruess usem Kaffiegge vo Kolumbie

Bilder