Donnerstag, 30. November 2017

Der 7. Kontinent

Wir haben für dieses Highlight unserer Reise - die Antarktis - einiges in Kauf genommen.
So flogen wir von Santiago nach Punta Arenas mit dem billigsten Flug den wir kriegen konnten. Um Geld zu sparen, packten wir alles in einen Rucksack, dass wir nur ein Gepäckstück zum Einchecken bezahlen mussten. Das erforderte ganz schön Packkunst. Auf dem Flug gab es dann auch weder was zu trinken noch was zu essen. In Punta Arenas hatten wir noch einen Tag zum Herumstreunen, da der Bus nach Ushuaia erst am nächsten Morgen früh losfuhr. Ich verbrachte den Tag mit der Suche nach einer günstigen Wäscherei, schlussendlich war ich froh überhaupt irgendeine gefunden zu haben. Dies sind unsere alltäglichen Dinge, die auch zum Reisen gehören, damit alles bereit ist für das nächste Abenteuer.

Von Punta Arenas ging es durch das ewig scheinende Ödland bis zur Magellanstrasse, welche wir in der Autofähre überquerten.

                                        Fähre über die Magellanstrasse

Im Ödland leben mehrheitlich Schafe oder wilde Guanacos (eine Art wilde Lamas). Auch ein Gürteltier konnten wir vom Bus aus ausmachen. Über die Schotterstrassen von Terra del Fuego (Feuerland) ging es zum argentinischen Grenzübergang. Den Namen Terra del Fuego gab der portugiesische Seefahrer Fernando Magellan dieser Region, da die Urvölker (welche nur spärlich bekleidet waren) sich an den immer brennenden Feuern wärmten. So verwandelte sich das Land in ein Meer von brennenden Feuern.
Auf der argentinischen Seite  erhoben sich langsam die letzten Berge der Anden, welche hier nur noch einige hundert Meter hoch sind. Die Gegend wurde rauher und wilder, bis wir nach langer Fahrt in Ushuaia ankamen - wie hier liebevoll genannt "am Ende der Welt".
Am Ende der Welt, für uns war hier jedoch noch nicht Schluss

Wir verharrten noch die letzte Nacht, bevor wir am nächsten Nachmittag zum Treffpunkt und Boarding von unserem Schiff gingen.
Ein Schiff welches im Sommer renoviert wurde und Platz für 130 Passagiere bietet.
Da das Angebot für die Dreierkabinen pro Person 1500 USD günstiger war, teilten wir uns jeweils mit zwei anderen Passagieren die Kabine (Männer \ Frauen Kabinen).
Ich landete auf dem oberen Bett, da ich dies Helmut (ein 71jähriger, ausgewanderter Österreicher, welcher in Vancouver lebt) und Erik (ein 2m Holländer) nicht zumuten konnte.
Beim Willkommensmeeting teilte uns Hadleigh (unser Tourleader), um den heissen Brei redend mit, dass das Boot mit einem Tag Verspätung auslaufen würde, da ein Motorersatzteil aufgrund eines Flugstreicks nicht zeitgerecht eingetroffen sei! Wir alle hatten uns gefreut endlich los zu fahren.... und dann dies! Die Enttäuschung war allen ins Gesicht geschrieben, dennoch war die Stimmung beim Abendessen einigermassen gut.

Den nächsten Tag organisierte die Crew ein Alternivprogramm in die Umgebung von Ushuaia mit für die Region typischem Barbecue.

                                        vegetarische Schafe für Katja

Mit einem Tag Verspätung gings dann Richtung Falkland los. Die zwei Tage auf See wurden mit diversen Präsentationen über Geschichte, Geologie, Tiere und so weiter intressant gestaltet. Unsere Guides waren alle in ihren Fachgebieten Spezialisten. So wurden wir mit sämtichen Fachvorträgen bestens auf unsere "Landungen" vorbereitet.
                                        Ich muss dir was flüstern.....

Wir sind soeben von unserm 18tägigen Trip zurückgekommen und es fehlen mir immernoch die Worte, unsere Erlebnisse ensprechend auszudrücken. Es ist eine völlig fremde, rauhe und unbekannte Welt wo wir eingetaucht sind, zumal wir uns vorher nicht wirklich damit befasst haben.

Ähnlich wie wir dies in Galapagos gesehen haben, kommt man extrem nahe an die Tiere heran. In den Kolonien, in welchen man als Besucher völlig untergeht, merkt man dass man nur ein ganz kleiner Punkt in der Menge von Tieren ist und mit seiner gelben Jacke wie ein exotischer Pinguin wirkt...


Die Landungen waren nur möglich, wenn der Wind und die Wellen mitspielten. Die Crew musste dies vorab immer prüfen. Die Auswahl der Landeplätze war daher auch immer abhängig vom Wetter.  Es wurden immer 10 Leute mit dem Schlauchboot vom Cruiseschiff an Land gebracht. An Land erhielten wir eine kurze Info, wo man was sieht und auf was man achten soll. Der Weg wurde mit Fahnen ausgesteckt und so konnte jeder sein Tempo gehen und die Zeit an den für ihn interessanten Orten verbringen.

                                        Rockhopper Pinguine am Brüten

In den Falkland Inseln haben wir einige verschiedene Stops eingelegt, wobei vor allem die nistenden Albatrosse bestaunt werden konnten. Einige dieser Arten erreichen eine Spannweite von über 3m. Beim bestaunen ihrer Flugkünste über dem Wasser nimmt man ihre Grösse gar nicht wahr, wenn diese Riesen jedoch dann über unseren Köpfen im Landeanflug waren, erschrickt man über deren Grösse.
Bei den Landungen wurden auch immer Gehstöcke empfohlen, um sich neugierige Seelöwen vom Hals zu halten, da diese durchaus gefährlich werden können.

                                        Ich will ja nur spielen....

Nach drei Tagen ging es weiter nach Süd Georgien - ja richtig gelesen! Dies ist eine Inselkette weitere zwei Schiffstage östlich. Süd Georgien liegt geologisch gesehen bereits in der Antarktis, obwohl sich dies mit der nördlichen Hemisphäre etwa mit Kiel in Norddeutschland vergleichen lässt.
Wir waren auch noch weit vom Polarkreis entfernt, geologisch jedoch wird dies an der Wassertemperatur gemessen, welche innerhalb von wenigen Kilometern von 5 Grad auf etwa 1 Grad fällt. Das wird dann als Grenze vom Polarmeer bezeichnet.
Kurz darauf haben wir auch die ersten Wale gesehen. Ausser einer wirklich nahen Begegnung, wo 2 Wale direkt vor dem Bug auftauchten, hatten wir ansonsten nur immer die Ausblasfontänen erspähen können und vielleicht noch ein bisschen Rückenflosse. Das reichte für unsere erfahrenen Guides aber aus, um die Art des Wales zu bestimmen.

Während der Fahrt wurde das Wetter immer etwas harscher, spätestens vor der nächsten Landung hatten wir jedoch wieder perfektes Wetter. Scheinbar eine Seltenheit in dieser Region!
In Süd Georgien befinden sich, mit bis zu 600'000 Tieren, einige der grössten Pinguinkolonien der Antarktis. Es ist absolut fanszinierend diesen trolligen kleinen Pinguinen zuzuschauen, welche mit ihren kleinen Füssen versuchen über die Steine und Absätze zu laufen bzw. hoppsen. So könnte man stundenlang zuschauen wie die süssen Geschöpfe ihren Alltag bewältigen und sich dabei auch immer mal wieder gegenseitig an den Federn reissen, wenn einer zu nahe kommt.

                                        Katja und ihre neugierigen King Pinguine

Von Süd Georgien gings dann zwei weitere Bootstage zur nördlichen Halbinsel der Antarktis. Das Meer wurde rauher und man musste sich gut festhalten wenn man auf dem Schiff unterwegs war. Die Crew versicherte uns aber, dass wir Wetterglück hätten und die 4m Wellen noch relativ ruhig seien.

Auf dem Weg zur effektiven Antarktis begegneten wir unserem ersten Eisberg.  Ein Eisstück gilt als Eisberg, wenn dieses grösser als 1000m2 ist (bin nicht ganz sicher) und mehr als 5m aus dem Wasser ragt. Vor der Losfahrt mussten wir unsere Tips abgeben, wann der Captain den ersten Eisberg sichten wird. Am nächten Morgen um 10:30 sahen wir unseren ersten Eisberg und Katja lag mit 23 Minuten Differenz am nächsten!!
Einige Stunden später fuhren wir am Eisberg B-15T vorbei. Dieses 20. Bruchstück war 52km lang, 13km breit und ragte geschätzte 20m aus dem Wasser. Die Gesamthöhe beträgt ca. 300 Meter. Hadleigh hatte diesen Eisberg über aktuelle Satellitenbilder ausfindig machen können und da er nicht soo weit von unserem Kurs weg war, konnte er den Captain überzeugen, einen kleinen Umweg zu fahren. Der Mutter-Eisberg ist im Jahr 2000 in der Südantarktis abgebrochen (B15 war ca. 270 x 40 km gross, etwa ein viertel der Fläche der Schweiz) und in den letzten 17 Jahren um die halbe Antarktis gespühlt worden. Für uns fühlte sich das eher an, wie an einer riesigen Insel vorbeizufahren.                                      
                 Eindrücklich wenn man denkt, das die anderen 3/4 unter wasser sind

Am Nachmittag versuchten wir auf Elefant Island, am Punkt "Wild" zu landen - glaube die einzige Landung welche aufgrund vom Wetter nicht möglich war.
Dies war einst der Punkt, von wo aus Shakleton nach seinem Schiffbruch mit dem Rettunsboot losfuhr Richtung Süd Georgien. Eine völlig harsche Gegend und dem Wetter komplett ausgesetzt. Hier hatten die zurückgebliebenen Männer 100 Tage ausgeharrt. Wir standen mit unseren Polarjacken gut eingepackt auf den äusseren Decks und waren froh, nach wenigen Minuten wieder das Warme aufsuchen zu können. Wir haben die Story von Shakleton immer wieder gehört, für diejenigen, welche das interessiert können das ja mal googeln (Ernest Shakleton, Endurance Expedition und der Idee die Antarktis zu durchqueren)

                               An dem Strand haben die Seeleute 100 Tage durchgehalten

Am nächsten Tag setzten wir zum ersten Mal unsere Füsse auf den 7.Kontinent.

In der Antarktis selbst sahen wir nicht so viele Tiere, jedoch umso mehr Eis. Schon bald nach unserer Landung sassen wir inmitten vom Packeis fest. Wir feierten bei Musik auf dem offenen Deck bei ca. null Grad unsere Antarktika Ankunft. Nach dem Sonnenuntergang blieb der Himmel über drei Stunden rot gefärbt, bevor die Sonne wieder aufging. Völlig speziell, mittlerweile im Eis komplett eingefroren, fernab von jeglicher Zivilisation und in absoluter Ruhe umgeben von purer Natur welche im dicken Winterkleid daher kam.

                                        Packeis bei Abendstimmung                                        

Ich war froh, dass unser Boot am Morgen wieder aus dem Eis befreit war.
Am nächsten Tag gab es noch eine Schlauchbootstour durch das Packeis und entlang der Eisberge. Immer wieder sah man Pinguine auf den einzelnen Eisschollen, leider haben wir hier keinen Seeleoparden gesehen.
Das Mittagessen musste erst mit einem Sprung ins Polarwasser verdient werden. Bei -1.5 Grad ist nicht gross mit plantschen....!!!

                                                         brrrrrrrrrrrr......                                              

Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Inseln von Süd Schettland. Hier bekamen wir zum ersten mal das garstige Wetter in Form von einem Schneesturm zu spüren.

                                        Unser Schiff im Schneetreiben

Mit voller Kamera und dem Nachttisch voller Seekranktabletten gings zurück nach Ushuaia. Leider mussten wir die scheinbar schlimmste Seepassage, Drake Passage, noch queren. Laut Angaben von Hadleigh haben die letzten Tage einige Schiffe Verspätung oder die Reise gar abgewartet. So kamen wir mit den 8m Wellen noch gut weg! Da Katja sich im falschen Moment aufs WC aufmachte, muss sie jetzt ihre blauen Flecken noch verheilen lassen!! *autsch*

Nun sitzen wir in Ushuaia und verdauen unsere Eindrücke erstmals. Wir erfahren quasi das erste Mal so etwas wie ein Reise Burn-Out. Vielleicht legt sich das wieder, aber momentan haben wir gerade keinen Bock irgendwie weiter zu reisen...

Voll mit Eindrücken jedoch ohne Reiseplan
grüssen Katja und Silvan

Bilder

Dienstag, 7. November 2017

leicht holpriger Start in Chile

Als wir nach unserer Salar de Uyuni Tour in San Pedro de Atacama ankamen, mussten wir feststellen, dass den Chilenen gerade ein langes Wochenende bevorsteht und daher alle Unterkünfte ausgebucht waren. Nicht mal im Internet war mehr etwas zu finden. So fragten wir herum und fanden ein Hostel, wo sich das Personal ins Zeug legte, eine Lösung für uns zu finden und als auch die nichts für uns fanden, bot uns der Hostelbetreiber sein Zimmer an. Innerhalb von einer halben Stunde wurde Putzpersonal aufgeboten, das Zimmer geräumt und für uns parat gemacht. Das war unglaublich nett. Auch sonst war das Hostel ein schöner Ort, um zu verweilen und bisschen auszuruhen.


Wir blieben dann auch 4 Tage in San Pedro - mehr oder weniger gezwungener Massen, da die Tour zum Sterne beobachten auch schon für die nächsten Tage ausgebucht war und die Auto- bzw. Campervermietung über das lange Wochenende nicht erreichbar war. So entspannten wir ein bisschen, unternahmen eine Tour ins Valle de la Luna und zu den Geysiren in der Nähe. Das Valle de la Luna beeindruckte uns landschaftlich sehr.


Die Geysir-Tour hingegen war eher etwas enttäuschend, nachdem wir bereits die Geysire auf der Uyuni Tour gesehen hatten. Vielleicht stumpft man auch ein bisschen ab nach einer so langen Reise mit so vielen fantastischen Eindrücken. Wie so oft packen die Touranbieter in eine Tour neben der Hauptattraktion noch so viele andere Sachen, dass die Hauptattraktion fast zur Nebensache wird und auch ein bisschen untergeht.



Nach 4 Tagen Wartezeit konnten wir dann auch den Sternenhimmel durch verschiedenste grosse Teleskope beobachten. Das war der eigentliche Grund für unseren Besuch in San Pedro de Atacama. Die Atacama-Wüste ist einer der trockensten Orte auf der Erde überhaupt und es gibt ca. 300 Tage im Jahr wolkenfreien Himmel. Daher gibt es hier auch die höchste Dichte an Observatorien (Sternwarten). Wir sahen Saturn mit seinen Ringen, den Mond mit seinen vielen vielen Kratern, Sternennebel und Sternschnuppen. Das war schon Klasse!



Am Montag nach dem langen Wochenende reisten wir weiter nach Calama, in der Hoffnung, endlich Rückmeldung zu erhalten, ob es klappt, einen Camper zu mieten. Zwischenzeitlich ergab sich auch noch ein gutes Last Minute Angebot für eine 3wöchige Antarktiskreuzfahrt, für das wir uns relativ schnell entscheiden mussten. Um so mehr drängte die Rückmeldung, ob es mit dem Camper klappt oder nicht... Die Zeit war etwas aufregend und forderte uns ganz schön Nerven. In Calama selbst wollten wir am Dienstag noch die grösste Kupfermine der Welt besichtigen - ein riesiger Tagebau. Doch auch hier war die Tour bis zu 7 Tage im Voraus ausgebucht. Sonst konnten wir immer ganz spontan alles organisieren, was wir vor hatten. In Chile lernten wir, dass wir vorher reservieren müssen...

Für die Minentour liessen wir uns auf die Warteliste setzen. Wir hatten Glück, dass einige Leute, die reserviert hatten, nicht erschienen sind. So konnten wir doch noch mit auf die Tour. Wir besichtigten eine seit 2007 verlassene Minen- bzw. Geisterstadt.
Die 25000 Leute wurden 2007 aufgrund einer scheinbaren Gesetzesänderung umgesiedelt. Das Gesetz besagt, dass niemand so nah an einer Industriezone leben darf, weil es gesundheitsschädlich ist. In Wirklichkeit hat man es aber vermutlich auf die Kupferreserven unter der Stadt abgesehen ...

Die Kupfermine selber ist ein riesiger Tagebau - ca. 1200 Meter tief, 3000 Meter breit und 4300 Meter lang. Genauso beeindruckend wie das riesige Loch waren die Minentrucks, die die Steine aus dem Tagebau schaffen. Die Trucks sind 9 Meter hoch und haben einen Raddurchmesser von 4 Meter. Das Tankvolumen beträgt 5000 Liter Diesel von denen 3 Liter pro Minute verbraucht werden. Der Truck hat mehr als 3000 PS und kann bis zu 400 Tonnen Kupfererz laden. Es ist sehr beeindruckend, wenn diese riesigen Giganten an einem vorbei fahren.


Dienstagmittag konnten wir immernoch keine Zusage für den Camper erhalten, daher entschieden wir uns, das Last Minute Angebot für die Antarktiskreuzfahrt zu buchen, bevor auch das weg ist. Nun blieben uns noch 9 Tage bis wir in See stechen. Plan B war daher, es mit einem Mietwagen in Calama am Flugfhafen zu versuchen, um damit die Region bis Santiago de Chile zu erkunden. Doch da war kein einziges Auto mehr verfügbar. So machten wir einen Plan C und flogen noch am Abend spontan nach Santiago. Dort konnten wir noch in der Nacht unseren Mietwagen in Empfang nehmen. Wir suchten auf Maps.me ein paar Unterkünfte heraus und los gings. Ab jetzt lief wieder alles wie am Schnürchen. Die erste Unterkunft, die wir ansteuerten, war eine kleine Perle - eine Art Homestay mit so netten Gastgebern, bei denen wir uns wie zu Hause fühlen konnten. Was für ein schönes Gefühl, abends um 11 nach so einem verrückten Tag!

Mit dem Mietwagen erkundeten wir den Norden zwischen Santiago de Chile und La Serena. Auch in La Serena hatten wir wieder unglaubliches Glück mit unserer Unterkunft - ein Bed and Breakfast mit sehr herzlichen Gastgebern, die uns Tips für Ausflüge gaben und bei denen wir 2 Tage blieben. Von La Serena aus machten wir einen Tagesausflug nach Vicuña, wo wir eine Bierbrauerei, ein Pisco-Weingut und ein Weingut besuchten. Wir bekamen vom Anbau des Weins, über die Ernte bis zur Destillierung und Lagerung des Piscos bzw. Weins alles erklärt und durften sogar ein paar Kostproben nehmen. Silvan musste auf die Kostprobe leider verzichten, da in Chile 0,0 pro Mille gilt. So kauften wir die edlen Tropfen, die ich als 'am besten' bewertete und tranken diese an den Abenden der weiteren Reisetage. "Prost" ;-)



In Vicuña wollten wir eigentlich noch ein Observatorium besuchen, doch wegen des Vollmonds machte das wenig Sinn.

Von La Serena ging es wieder Richtung Süden. Unsere Gastgeber hatten uns erklärt, dass der Nachbarort Coquimbo nebst Acapulco einer der Haupthäfen der damaligen Piraten war. So nahmen wir an einer Piratenfahrt durch die Bucht teil, die uns auch von unseren Gastgebern empfohlen wurde. Begleitet von der Musik von "Titanic" und "Fluch der Karibik" stachen wir in See und wurden von einem als Pirat verkleideten Matrosen unterhalten. Es war ein lustiger kleiner Ausflug bei dem wir noch etwas über die Geschichte der Stadt erfuhren.



Highlight für mich war aber der Fischmarkt am Hafen - jede Menge Fische und Meeresfrüchte, Ceviche (roher Fisch in Zitronensauce) zum sofort essen und Marktstände, wo man günstig ein tolles Mittag bekommen konnte. Fantastisch! Das fanden auch die riesigen Seelöwen, die im Hafenbecken auf die Fischabfälle warteten und sich mit den Möven und Pelikanen darum stritten...


Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Viña del Mar. Auf dem Weg dorthin machten wir einige Zwischenstops - das ist der Vorteil am eigenen Auto, man kann überall anhalten wo man will und hinfahren wo man will - für uns ein ganz neues Reisegefühl. Einen Zwischenstop machten wir in einem kleinen Hafen, wo wir den Fischverkäufern bei der Arbeit zusahen, genauso wie die hungrigen Pelikane!


Einen anderen Stopp legten wir in einem liebevoll eingerichteten Café in einem Gartencenter an der Hauptstrasse ein. Dort hingen mehrer Mandalas aus Holz von denen ich extrem fasziniert war - wie wurden die bloss hergestellt?? Wir fragten im Café nach und dort sagte man uns, dass die Werkstatt des Künstlers grad auf der anderen Strassenseite sei. So machten wir noch einen Abstecher dorthin, bewunderten noch viele andere Arbeiten von ihm und liessen uns von ihm erklären, wie er seine Kunstwerke herstellt.



Das war wieder einer der Momente, wo ich bereute, nichts mitnehmen zu können. Unsere Rucksäcke haben halt doch nur ein begrenztes Fassungsvermögen und die Post nach Europa ist ziemlich teuer.

In Viña del Mar interessierten wir uns hauptsächlich für das archäologische Museum. Dort ist eine Steinfigur der Moai Kultur (Osterinseln) ausgestellt, welche ein Geschenk einer Inselfamilie war. Nebst der Steinfigur gab es im Innern weitere Infos über diese Kultur. Auf der Osterinsel gibt es ca. 300 dieser Statuen welche alle ins Inselinnere schauen. Diese waren dazu da, den eigenen Stamm zu beschützen, da es auf der Insel verschiedene Stämme gab, die sich bekämpften.



In Zeiten der Knappheit, als es kein Holz mehr gab und keine Boote mehr zum Fischen gebaut werden konnten, wich man auch vor Kanibalismus nicht zurück. Letztendlich wurden die Inselbewohner vom Meer her erobert, versklavt und durch eingeschleppte Krankheiten ausgerottet. Es gibt noch einige hinterlassene Schriften, die heute aber niemand mehr lesen bzw. übersetzen kann.

Auf dem Weg nach Santiago besuchten wir noch ein Weingut in der Nähe von Casablanca, denn diese Region gilt als das beste Anbaugebiet Chiles für Weisswein, besoders für Chardonnay. Das Weingut, was wir besuchten, produziert pro Jahr über eine Million Flaschen Wein und die Tanks haben ein Fassungsvermögen zwischen 1000 und 53000 Liter! Mit seinen 220ha Rebbergen zählt das Anwesen eher zu den Kleineren hier in Chile....


Interessant war auch deren Technik, dem Frost entgegen zu wirken. Zwischen den Reben stehen Frostmelder mit kleinen Windrädern, die bei frostigen Temperaturen beginnen, die warme Luft von oben nach unten zu wälzen.

Auch die Küstenlandschaft nahmen wir in Augenschein. Da sieht man, wo Chiles Elite wohnt. Nirgendwo sonst haben wir in Südamerika eine solche Ansammlung von edlen Villen und mehrstöckigen Wohnhäusern gesehen. Auch Chiles bekanntester Dichter Pablo Neruda hat sich in die Landschaft verliebt und ein romantisches Haus in Isla Negra gebaut. Heute ist es ein Museum. Leider konnten wir es nicht besichtigen, aber zumindest von aussen einen Blick darauf werfen.


An der Küste gibt es auch immer wieder kleine, verschlafene Fischerdörfer, von denen eins ein früherer Walfanghafen war. In Quintay wurden zwischen 1942 und 1966 einige tausende Wale geschlachtet. Ein Schiff konnte pro Tag bis zu 15 Wale erjagen und in den Hafen bringen! Ein kleines Museum dort informiert über die Geschichte.

Nach 5 erlebnisreichen Tagen mit unserem Mietwagen, wurden wir in Santiago wieder herzlich von unseren Gastgebern empfangen. Nun sind wir auf dem Weg ins nächste Abenteuer und fiebern einem weiteren Highlight unserer Reise entgegen - 3 Wochen Antarktiskreuzfahrt. Wir sind mega gespannt und aufgeregt auf die uns erwartenden Erlebnisse.

Bis bald und liebe Grüsse, Silvan & Katja

Link zu den Bildern

Samstag, 28. Oktober 2017

Atemberaubende Natur im Hochland von Bolivien

Mittlerweile ist auch schon Bolivien für uns wieder Geschichte und wir kriegen zu spüren dass wir im teuren Chile angekommen sind. Katja macht sich schon Gedanken dass unser Reisebudget nicht reicht und wie sie den Christbaum schmücken könnte... :-)

Tarija
In Tarija verbrachten wir einen gemütlichen Tag bei angenehmen Temperaturen, dies eigentlich nur, da wir dachten gemütlich mit einer 6-stündigen Busreise nach Sucre zu kommen.
Das Abendessen versüssten wir uns mit einer Flasche Wein, welcher aus den hier (bis zu 2000m.ü.M.) wachsenden Trauben hergestellt wird. War überraschend fein.
An dieser Stelle hat das absolut fantastische Frühstück einen Eintrag verdient. Mit den in unseren Zimmerpreisen enthaltenen Frühstücksvariationen könnte man einen eigenen Bericht schreiben! Diesmal war das Buffet voll mit Früchten, sogar Kiwi war dabei! Hinzu kam ein frischgepresster Saft, ein Kaffee, Ei nach Wahl, Toast und feines Brot - der absolute Wahnsinn, was wir auch zu geniessen wussten!
Um 10:00 dann am Busbahnhof angekommen erfuhren wir, dass der nächste Bus nach Sucre erst um 13:00 abfahren würde und mind. 10h braucht.
Wir entschieden uns dann für ein doppelt so teures Taxi (was sofort losfuhr), was wir mit sechs andern teilten, nach Sucre - dennoch dauerte es 9 Stunden bis an unser Ziel.

Sucre
Fragt man nach der Hauptstadt von Bolivien, hört man oft La Paz (glaubte ich auch) - jedoch ist dies Sucre. Die Regierung sitzt zwar in La Paz aber Sucre ist halt doch noch die Hauptstadt.
Die Stadt liegt etwas unterhalb des Altiplano und ist somit mit einem angenehmen Klima gesegnet was richtig einlädt, um die schöne, weisse, koloniale Altstadt zu erkunden.
                                        Auf dem Kirchendach am Glocken läuten..

Die Stadt wurde nach dem Mariscal (Marschall) Sucre benannt, der nebst Bolivar der grosse Befreier, von den Spaniern, hier in Südamerika war. Zum Reichtum kam die Stadt aber vor allem durch den Silberabbau im relativ nahen Potosi. Die Stadt wechselte einige Male ihren Namen, darunter auch "La Plata" was Silber oder auch Geld heisst - dies aus dem Grund da beides im Überfluss vorhanden war!
Uns hat die Stadt extrem gut gefallen, da nebst dem schönen Wetter auch gute Restaurants und vorallem ruhige Parks überall zu finden sind.
Was aber definitiv der kulinarische Renner war, war die Schokolade für welche Sucre auch bekannt ist. Feinste Praline, heisse Schokolade und Schokobecher mit Likör - da fühlt sich jeder Schweizer heimisch, jedoch zu bolivianischen Preisen :-)

Im nahegelegenen Dino-Park konnten wir lebensgrosse Nachbildungen von diversen Dinosauriern (bin kein Fachmann) bestaunen, zudem gab es noch ein Skelett von einem Rex. An der nahegelegenen Felswand waren echte Spuren von Dinos zu sehen, welche über die ganzen 1.5km verteilt waren. Die heutige Kalkschicht ist Museumsgerecht fast vertikal aufgestellt - dies aufgrund der Verschiebungen der tektonischen Platten - also im Gegensatz zu den Nachbildungen alles orginal! Leider gab es an diesem Nachmittag keine Führung zu den Spuren, welche teilweise einen Durchmesser von über einem Meter haben sollen.

Nach Potosi wollten wir eigentlich mit dem Ferrobus, was eine Mischung von Ferrocaril (Zug) und Bus war. Leider ist seit einem Monat die Strecke unterbrochen, so dass das einmalige Gefährt momentan nicht mehr in Betrieb ist. Alleine die Bilder vom umgebauten Bus lässt das abenteuerliche Reiseherz höher schlagen....

                                        Leider ausser Betrieb

Potosi
Da wir bis jetzt noch nie beklaut wurden, machten wir uns zur Gewohnheit immer mal wieder kleine Dinge zu vergessen... Diesmal war es meine Faserpelzjacke, welche ich bei meinem Bruder "hinterlassen" habe - immerhin bleibts in der Familie.
So hatte ich auf dem sonntäglichen Markt eine riesige Auswahl wo ich mir einen gebührenden Ersatz beschaffte.
Nach Potosi wollten wir (ich) eigentlich nur um eine der berüchtigten Minentouren mitzuerleben. Potosi liegt auf ca. 4100m mit seinem Hausberg dem "Cerro Rico" (reicher Berg) wo unerschöpflich zu sein scheint. Im Berg befinden sich 150km Gänge verteit auf 400 verschiedene Minen wo heute noch 180 in Betrieb sind. Bevor es jedoch in die Minen ging, galt es noch die üblichen Mitbringsel für die Minenarbeiter zu besorgen. Wir fuhren zu einem kleinen "Supermarkt" wo es alles gab, was die Mineuere benötigten. Hammer, Meissel, Bohrhammer, Fettbüchsen, Schnur, Bretter usw. Etwas aus der Reihe tanzten da die Kokablätter, 96% Alkohol und der Sprengstoff mit Zünder und Sprengverstärker (Completo genannt). So konnte unser einer zum ersten Mal im Leben Sprengstoff im Supermarkt kaufen... wär doch mal was um den Garten umzugraben!
                                                         Sprengmeister Sidler

Anschliessend gings zum Mineneingang auf 4400m wo auf der zweiten von vier Ebenen die Zuggleise aus dem Mineneingang führten. Wir liefen den Gleisen entlang wo wir immer wieder den Karren auf den Gleisen ausweichen mussten. Hinein wurden diese von drei Männern gezogen, nach draussen gings mit zwei Bremsern, welche mit ihren Füssen den 2Tonnen Wagen zu bremsen versuchten. Begleitet wurden diese Wagen von einem ungeheuerlichen Grollen - als ob der Berg drohen wollte! Im Stollen lag Staub in der Luft der richtig schmerzte in der Nase - so hielten wir unsere Staubmasken stetig aufgesetzt, was das Atmen noch schwieriger machte.
Schon ziemlich ausser Puste kamen wir beim Pausenplatz (ein kleiner toter Stollenteil) an, wo el Tio (der Onkel) sass. Dies ist der "Schutzpatron" der Mineure, ihm werden Opfergaben zum Schutz vor Unfällen und gutem Glück bei der Mineralsuche geopfert (die Flaschen mit dem 96% Alkohol waren jedoch alle leer....).
Nach der sehr willkommenen Pause gings zu den Arbeitsplätzen der Mineure welche übrigens alle auf eigene Rechnung arbeiten und jeweils einen Teil an die Genossenschaft und an den Staat abgeben müssen. Immer wieder hörten wir Sprengungen welche irgendwo im Ganglabyrinth durchgeführt wurden.
20m hinunter in ein unteres Level, durch körpergrosse Öffnungen verschwanden wir über eine Leiter (wo Sprossen fehlten) in untere Schichten wo der Boden weiter steilabfallend nach unten ging. Die Gänge wurden enger und die Luft heisser und war mit Staub und Dynamit vermischt. Ein Belüftungssystem gibt es nicht - genauso wenig wie Pläne wo welche Stollen sind. Wir trafen an verschiedenen Orten Mineure bei der Arbeit an, welchen wir unsere Mitbringsel aushändigten. Der Guide (ein ehemaliger, kurzzeitiger Mineur) suchte immer wieder das Gespräch mit den Männern. Wie alt bist Du, wie lange in der Mine und was so gefunden wurde. Der Älteste war 38Jahre und hatte bereits 20Jahre im Berg verbracht.

      Mineur beim verlesen der wertvollen Mineralien (Zink, Silber, Zinn und Nickel)

Es wurde viel gelacht und es wurden Sprüche geklopft - schlechte Laune bzw. schlechte Stimmung gilt unter den Mineuren als schlechtes Omen. Angesichts der hier herrschenden Arbeitsbedingungen extrem schwer vorzustellen - zumal der 38jährige eigentlich seine Lebenserwartung fast erfüllt hat!! Die Mineure "betäuben" sich mit Kokablättern. Diese lassen kein Hungergefühl aufkommen, sowie werden zusätzliche Kräfte freigesetzt. Das Essen in den Minen wäre aufgrund vom Staub mit Durchfall und Übelkeit verbunden. Und da das Essen ausserhalb der Mine zu viel Zeit in Ansprung nehmen würde (nebst dem Kraftverschleiss von Hin und Rückweg) wird das Essen halt schlicht "weggelassen". Auf dem Weg zum nächsten Arbeitsplatz krochen wir durch ein Mannsloch, wo die Rucksäcke einzeln durchgereicht werden mussten - im Wissen dass wir das alles wieder zurück mussten, bekam mich ein völlig anderes Gefühl (Katja ist von Anfang an draussen geblieben..).
Ich war froh, endlich wieder auf der Gleisebene angekommen zu sein - völlig ausser Atem und platschnassgeschwitzt. Auf dem Rückweg sahen wir noch eine Gruppe, welche gerade eine Sprengung durchführte. Als die 3Minütige Zündschnur gezündet wurde, machten wir uns aus dem Staub... Nach einer Minute zuckten wir alle zusammen, als uns die Detonation durch Marck und Bein fuhr - es waren bolivianische 3 Minuten!!
Ich war froh das Licht am Ende vom Tunnel zu sehen und dieser Hölle zu entfliehen.
Das Bergwerk ist seit fast 500 Jahren im Betrieb. Wieviel Silber aus dem Berg genau gefördert wurde, ist nicht bekannt - jedoch wurde ein grosser Teil des gesamten spanischen Reichs über Jahrzehnte damit finanziert!
Insgesamt kamen über 8Millionen Menschen ums Leben, heute arbeiten noch ca. 15'000 Mineure im Berg wo es täglich zu einem Todesfall kommt. Die Lebenserwartung liegt bei ca. 40Jahren, wobei teilweise schon 14jährige in den Minen arbeiten. Einst galt Potosi als reichste Stadt von ganz Amerkia - heute ist sie wahrscheinlich eine der Ärmsten überhaupt.

Uyuni
Von Potosi gings weiter nach Uyuni - die bereits karge Landschaft wurde noch karger und nebst Steinen in allen Farben waren nur noch die strohähnlichen Grasbüschel übrig geblieben. Dies reicht jedoch um die Lamas und die wilden Vicunas zu ernähren.
In Uyuni angekommen, wollten wir eigentlich gleich wieder weiter - nicht wirklich ein Ort zum bleiben, aber halt viele Touranbieter für die Salar de Uyuni Tour.
Der erste Stopp der gebuchten Tour führte uns zum Zugfriedhof von Uyuni. Hier war die Hauptwerkstatt und somit das Ersatzlager der alten Dampfmaschinen, welche in den 70er Jahren durch Diesellocks abgelösst wurden. Dies war und ist die Schlagader um all die reichlich vorkommenden Bodenschätze über Chile zu exportieren.

                                                   Wie auf dem Kinderspielplatz

Die zweite Hälfte vom Tag verbrachten wir in der grössten Salzwüste der Welt - Salar de Uyuni, welche auf einer Fläche, die 25% der Schweiz entspricht, eine salzige Einöde bildet. Mit dem Jeep ging es scheinbar endlos der etwas abgefahrenen Fläche entlang. Immerwieder zeigten sich fatamorganaähnliche Erscheinungen - ein guter Platz für lustige Fotos..:-)

                                                          wie zwei Akrobaten

Die erste Übernachtung war dann schon wieder auf dem Festland, jedoch in einem Salzhostel - echt cool oder wie die Einheimischen sagen "Chevre".
Am zweiten Tag ging es zunächst durch eine weitere kleine Salzwüste bevor wir dann eine nach der anderen Lagune abklapperten. Jede leuchtete in einer anderen Farbe je nach dem was gerade für ein Mineral im Wasser enthalten war - was fast überall geleich war, waren die unzähligen Flamingos welche hier ein Schlaraffenland vorfinden.

                                        Zwei Reisevögel im Reich der Flamingos

Im Wasser scheint hier das ganze Leben zu stecken, denn in der kargen Landschaft gibt es nichts - ausser Vicunas die sich von scheinbar "nichts" ernähren können.

                                       Unsere Lieblinge - Einfach süss die kleinen!

Die zweite Nacht war auf über 4000m bei kaltem Wind - so waren am Morgen alle Lagunen zugefroren inkl. den festgefrohrenen! Flamingos die sehnlich auf die schmelzenden Sonne warteten. Die kalte und klare Nacht hatte auch ihre Vorteile - STERNENHIMMEL!!!!
Am dritten Tag gings am Morgen früh zu Geysiren. Diese rauchten in der Morgenkälte aus ihren Löchern, so dass es angenehm warm war in deren Nähe.
                                        Rauchende Geysire in der Morgenkälte

Gleich nebenan lag noch der letzte Schnee vom Winter, welcher bizarr geformt völlig fremd in der Wüste lag. Zum Schluss ging es dann nochmals an einigen Lagunen vorbei bevor wir an einem einsamen Grenzübergang in den Bergen Bolivien den Rücken kehrten und nach Chile einreisten.

Ciao Bolivia
Für mich war Bolivien eine Herzensangelegenheit, nebst dem Land was mir bereits im Reiseführer sympathisch war, konnte ich auch endlich meinen Bruder und seine Familie bei ihnen Zuhause besuchen. Hinzu kamen unvergessliche Momente, allen voran unser erster 6000er (sind immernoch stolz auf uns...), die Minen von Potosi und die Salar de Uyuni Tour. Das Land hätte noch viel mehr zu bieten, aber dafür fehlte selbst uns die Zeit. Hier scheint es noch vieles zu geben was in anderen Ländern längst der Bürokratie (oder der Vernunft) zum Opfer gefallen ist. Wir haben die Bolivianer als extrem freundliches und ehrliches Volk kennen gelernt.
Das Land leidet noch immer darunter, dass sie diverse Gebiete in den Kriegen verloren haben. Allen voran der Meerzugang an Chile vor 150 Jahren (sind auch heute noch keine Freunde...) was vor allem für den Rohstoffhandel wichtig wäre!
Und so kommt es, dass die rohstoffreichsten Länder am Ende oft die Ärmsten sind.

Liebe Grüsse
Katja und Silvan

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Freitag, 20. Oktober 2017

Erlebnisse rund um La Paz

Unterwegs in La Paz

An unserem ersten Tag in La Paz nahmen wir an einer Free Walking Tour teil, eine Stadtführung, die hauptsächlich von Studenten durchgeführt wird und deren Bezahlung auf Trinkgeld basiert. Der Hauptgrund für die Teilnahme war, dass diese Tour scheinbar als einzige die Lizenz hat, das Gefängnis "San Pedro" zu besichtigen - ein Gefängnis, das eine Stadt in der Stadt ist.
Die Gefangenen, die es sich leisten können, haben Wohnungen, es gibt Restaurants und Geschäfte, aber alles innerhalb der Gefängnismauern. Gefangene, die es sich nicht leisten können, müssen auf der Strasse schlafen. Innerhalb des Gefängnisses gibt es keine Polizei. Gefangene, die Probleme mit anderen Gefangenen bekommen, sind auf sich selbst gestellt.
Die Familien der Gefangenen können aber wählen, ob sie mit dem Gefangenen im Gefängnis leben möchten oder nicht. Letztendlich standen wir mit der Stadtführung nur vor dem Gefängnistor und bekamen ein paar Erläuterungen. Führungen im Gefängnis sind inzwischen illegal und verboten, weil Touristen es scheinbar übertrieben haben, da drin Drogen zu handeln.



Am Sonntag findet in El Alto ein riesiger Markt statt. Den wollten wir besichtigen, aber diesmal hat es Silvan erwischt - Fieber, Erbrechen... So hat er fast den ganzen Sonntag schlafend verbracht. Ich habe die Zeit genutzt, um auf dem Gemüsemarkt einzukaufen und mal wieder selbst zu kochen. Das machen wir aufgrund der günstigen Restaurants hier ziemlich selten. Der Schlaf und vielleicht auch meine Suppe scheinen geholfen zu haben. ;-) Zumindest ging es Silvan am nächsten Tag schon wieder viel besser.
Die Verkäuferinnen auf dem Markt nennt man "Cholitas". Sie sind alle in Tracht, mit Hut und zwei langen Zöpfen und alle sind sehr beleibt.


So erkundeten wir ein bisschen La Paz und nutzten einige der Seilbahnen, um einen Überblick von oben zu bekommen. Mittlerweile sind 5 Seilbahnen in Betrieb, die den Talkessel von La Paz mit den höheren Regionen in El Alto verbinden und den Stadtverkehr entlasten sollen. Das ist auch dringendst nötig. Denn der Verkehr in La Paz ist von morgens bis tief in die Nacht das reinste Chaos! Mindestens 3 weitere Seilbahnen sind geplant bzw. schon im Bau. Unklar ist, wie die Seilbahnen finanziert werden, da die Einnahmen nicht einmal 10% der Ausgaben decken. Ausgelastet sind sie aber ganz gut.



Mountainbiketour auf der Dead Road 

Eine der meist umworbenen Aktivitäten in der Nähe von La Paz ist eine Mountainbiketour auf der Dead Road (Todesstrasse). Auch Silvan wollte die Tour machen und da andere Reisende bereits davon geschwärmt hatten, entschloss ich mich, trotz fehlender Mountainbikeerfahrung, mitzugehen. Die Strasse war früher die Hauptstrasse nach La Paz - eine sehr enge Dreckstrasse, auf der es kaum möglich war, zu kreuzen und mit steilen Abgründen von mehreren 100 Metern.



Jedes Jahr sind ca. 200 Menschen auf der Strasse ums Leben gekommen bzw. abgestürzt. Die umgekommenen Leute wurden geborgen, aber die Fahrzeuge liegen heute noch im Abgrund, zugedeckt von der Vegetation. Seit ca. 12 Jahren gibt es eine moderne, breitere Umfahrung. Die "Dead Road" wird inzwischen nur noch vom Tourismus für die Fahrradabfahrten genutzt. Man startet auf 4700 Metern und fährt während 64km durch die verschiedenen Klimazonen runter auf 1200 Meter. Die landschaftlich schönen Ausblicke konnten wir nur bedingt geniessen, da man sich doch recht auf die holprige Strasse konzentrieren musste.


Jedoch hielten wir hin und wieder an, um Fotos zu machen. Unten angekommen, warteten wir statt der angekündigten halben Stunden über eine Stunde bis die Guides die Fahrräder gewaschen haben. Die kleinen Stechfliegen hatten ihre wahre Freude daran und machten sich an die Beine von Silvan. Mit jeweils etwa 50 Stichen (pro Bein!) gings weiter zum abschliessenden Mittagessen.

Huayna Potosi (6088 Meter über Meer)

In der Nähe von La Paz befindet sich der Berg "Huayna Potosi". Der ist 6088 Meter hoch und gilt als einer der leichtesten 6000er weltweit.


Als Silvan das bewusst wurde, hat es ihn zu sehr gereizt, es nochmal zu probieren, ob er es auf den Gipfel solch eines Berges schafft. Es ist immer ein Guide, der mit 2 Leuten hoch geht, so entschied ich mich, ihn zu begleiten. Zur Aklimatisierung gingen wir einen Tag vor der Tour noch auf den Berg "Chacaltaya". Der ist ca. 5420 Meter hoch und war früher Boliviens höchstes Skigebiet. Heute ist der Gletscher vollständig verschwunden (somit auch der Schnee) und die Skihütte mit Toiletten und Restaurant ist dem Verfall preisgegeben. Auch einen Abstecher ins Valle de la Luna (Mondtal) haben wir an dem Tag noch gemacht, doch das war nicht so der Rede wert. Unsere Tour auf den Huayna Potosi startete 8:30 Uhr im Materiallager unserer Reiseagentour. Dort wurden wir ausgestattet mit Steigeisen, Harnisch, wetterfester Kleidung, Eisaxt, Schlafsack, Helm, Schneestulpen für über die Schuhe und Bergsteigerschuhe. Für die ersten 2 Tage mussten wir noch Wasser mitnehmen. So trugen wir zu all der Ausrüstung und der Kleidung, die wir so noch brauchten, noch 5 Liter Wasser mit pro Person. Mit dem Taxi ging es dann von La Paz ca. 1,5 Stunden zum ersten Refugio auf 4800 Meter. Hier bekamen wir ein einfaches Mittagessen. Danach ging es in voller Montur zum nahegelegenen Gletscher, um dort zum einen das Laufen mit den Steigeisen und zum anderen das Eisklettern zu üben.


Wir übernachteten im Schlafsaal des Refugiums, der für die Höhe noch erstaunlich warm war. Am nächsten Morgen bekamen wir ca. 8 Uhr Frühstück und gegen 10 Uhr ging es dann voll bepackt mit ca. 20kg Gepäck zum zweiten Refugium auf 5130 Metern. Für den Aufstieg benötigten wir ca. 3 Stunden. In einigen Berichten hatten wir gelesen, dass das für viele der anstrengendste Tag ist. Im Refugio bekamen wir wieder ein einfaches Mittagessen - Reis und zwei kleine Scheiben gebratenen Frischkäse. Dann war ruhen angesagt bis 17 Uhr. Manche schliefen, manche ruhten - es war auf jeden Fall diszipliniert ruhig. Um 17 Uhr wurden wir von unseren Guides geweckt. Beim Abendessen zeigte sich der Unterschied zwischen den einzelnen Touranbietern. So bekam jeder etwas anderes. Zumindest beim Abendessen konnten wir mit den Kochkünsten unseres Guides zufrieden sein. Gegen 18 Uhr legten wir uns wieder schlafen bis Mitternacht und nach einem kleinen Snack starteten wir unseren Aufstieg. In voller Montur und genügend warm eingepackt ging es los. Unter uns war alles bewölkt und über uns strahlte der Vollmond am wolkenfreien Himmel. Unserem Guide sagten wir noch, dass er langsam gehen soll und für uns nur wichtig ist, auf dem Gipfel anzukommen. Er muss nicht das Gefühl haben, uns bis zum Sonnenaufgang hochbringen zu müssen. Pause machten wir, wenn Silvan und ich das Gefühl hatten, dass wir eine machen wollen. Unser Guide hat von selbst nie eine Pause eingelegt. Es gab unterwegs zwei steilere Stellen, wo wir etwas klettern mussten, aber sonst war es machbar, einigermassen normal zu laufen mit den Steigeisen. Nach ca. 6,5 Stunden Aufstieg und etwas mehr als 900 Höhenmetern erreichten wir den Gipfel. Es war längst hell und leider auch schon etwas zugezogen, aber wir waren mega stolz auf uns. Vor allem die letzte halbe Stunde hatte extrem an unseren Kräften gezerrt und uns physisch an unsere Grenzen gebracht. Um so schöner war es, endlich oben zu stehen. Wir blieben dort ca. 15 Minuten zum Fotos machen und den Ausblick geniessen.


Dann machten wir uns wieder auf den Rückweg. Das waren nochmal 2 harte Stunden. Da der Schnee durch die Sonne langsam weich wurde und die Steigeisen verklebte, wurde es auch noch rutschig. Dafür versetzte die Landschaft uns ins Staunen! Unendlich tief scheinende Gletscherspalten und Höhlen glitzerten mit malerisch blauem Eis, was mich immer wieder zu Fotostopps verleiten liess.



Wir waren froh, als wir das Refugium erreichten und unsere Montur ablegen konnten. Furchtbar müde packten wir unsere Sachen zusammen, assen eine leichte Suppe und dann ging es nochmals eine Stunde bergab zum ersten Refugium - diesmal mit genau dem gleich schweren Gepäck wie am zweiten Tag. Aber auch das packten wir. Unten angekommen wartete schon unser Taxi und brachte uns zurück nach La Paz. Dort gönnten wir uns die wohlverdiente Ruhe.

Markt in El Alto

Am nächsten Tag war schon wieder Sonntag. Diesmal konnten wir den grossen Markt in El Alto besichtigen. Den erreicht man über eine der Seilbahnen. Wir konnten kaum glauben, dass da wirklich so viel Leute anstehen - 25 Minuten haben wir gewartet, gerechnet hatten wir bei der Länge der Schlange mit einer Stunde. Der Markt ist riesig!!! Autoersatzteile jeglicher Art, Schrauben, Kabel, Autobatterien, Autositze, Stossstangen, Kleidung, Elektrowaren, Holz, Türen, Haushaltswaren, Töpfe und Pfannen und vieles vieles mehr...


Wir sind dann mit einer anderen Seilbahn in El Alto noch über den Markt gefahren und haben da das ganze Ausmass sehen können.



Tiwanaku

Einen Tagesausflug machten wir noch nach Tiwanaku, einst religiöses Zentrum der Prä-Inka-Kulturen rund um den Titicacasee. Besiedelt war Tiwanaku von ca. 300 v.Chr. bis 1200 n.Chr.. Eigentlich hatten wir das gar nicht mehr auf dem Plan. Nachdem wir aber in La Paz einen kleinen Park mit einer Replika eines Teils der Ausgrabungsstätte gesehen hatten, überlegten wir es uns anders. Wir erwarteten mehr als tatsächlich zu sehen war. Ausgegraben sind scheinbar nur 1% der ursprünglichen Gesamtfläche und das Meiste ist relativ schlecht restauriert worden. Zudem hatten wir einen komischen Guide, der kaum zu verstehen war. Es war fast bisschen schade um die Zeit.



Besuch in Yacuiba

Nach fast 2 Wochen in La Paz war es dann so weit, dass wir endlich Silvans Bruder Ady trafen. Um uns lange Busreisen von La Paz nach Santa Cruz zu sparen, nahmen wir das Flugzeug. Als wir ankamen, wartete Ady schon am Flughafen. Das erste Mal auf unserer Reise, wo wir abgeholt wurden. Das ist schon Klasse! ;-) Wir freuten uns sehr über das Wiedersehen. Ady hatte noch geschäftlich zu tun in Santa Cruz, so dass wir noch eine Nacht dort verbrachten. Am nächsten Tag ging es dann mit dem Nachtbus von Santa Cruz nach Yacuiba (ganz im Süden von Bolivien, an der argentinischen Grenze), wo er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt. Vor allem Fabricio, der bald 6jährige Sohn war schon sehr aufgeregt, endlich seinen Tio (Onkel) Silvan zu sehen. Wir verbrachten 5 sehr schöne, ruhige und angenehme Tage in Yacuiba und Fabricio nutzte jede Gelegenheit zum Spielen mit uns.


Auch seinen Kindergarten besuchten wir. Jeden Montag gibt es eine Begrüssungs-zeremonie, wo die Mädchen rote Kleider mit weisser Bluse tragen und die Jungen im Anzug(!) kommen.


Die Erzieherinnen werden begrüsst und es wird zusammen auf dem Hauptplatz gesungen, bevor jede Gruppe in ihr Klassenzimmer geht. Normalerweise dürfen die Eltern / Verwandte der "Zeremonie" nicht mehr beiwohnen, aber für uns gab es eine Ausnahme.
5 Monate haben wir uns auf den Besuch gefreut und nun ist er schon vorbei. Die Zeit verging extrem schnell.
Für die Weiterreise entschieden wir uns nochmals für's Flugzeug von Yacuiba nach Tarija. Unser Flug war für 11.30 Uhr geplant, 11 Uhr sollte Boarding sein. Wir waren vielleicht kurz nach 10 Uhr am Check-In. Der Flughafen ist sehr sehr klein in Yacuiba und so wollten wir die Zeit bis zum Boarding noch mit Ady und seiner Familie verbringen. 10:40 Uhr sahen wir all die Passagiere schon ins Flugzeug steigen und die Sicherheitskontrolle schloss. Als wir den Sicherheitsmann fragten, ob der Flug nach Tarija um 11.30 Uhr geht, gab der uns zu verstehen, dass der Flug schon bereit wäre für den Start. Niemand vermisste uns... Er schaute auf unsere Tickets und winkte uns ohne Kontrolle hektisch durch. Als Silvan ins Flugzeug stieg, zog man ihm schon fast die Treppe unter den Füssen weg. Sonst geht es immer so gemächlich zu und selten geht ein Transport mit weniger als 15 Minuten Verspätung. Wir hoben 10:45 Uhr ab und landeten nach nur 15 Minuten Flug schon 11 Uhr in Tarija - grad zur Zeit wo das Boarding hätte beginnen sollen.
Unglaublich, dass die Fahrtzeit mit dem Bus aufgrund der schlechten Strasse 9 Stunden gedauert hätte. In Bolivien sind wir noch ein bisschen unterwegs.

Bis bald und liebe Grüsse
Silvan & Katja

Fotolink   (wenn man mit der Maus über die Fotos fährt, sollte man die Fotobeschriftung sehen)